Aolonialpolitik und Aolonialwirtschaft
Von Rudolf Ivagner-Berlin
ir sind ein Volk von sechzig Millionen Menschen auf einer Bodenfläche von zunächst 540658 Geviertkilometern, jeder Geviertkilometer hat also durchschnittlich rund hundert Menschen zu ernähren. Rein mechanisch betrachtet vermag er das nicht, d.h. unsre l Landwirtschaft ist trotz intensivsten Betriebes nicht imstande, den Bedarf dieser sechzig Millionen Menschen an Nahrungsmitteln zu erzeugen. Verschärft wird die Situation noch durch das starke und stetige Wachstun: des deutschen Volkes um jährlich 900000 Köpfe. Einen gewissen Ausgleich schafft jetzt unsre Arbeitskraft. Wir arbeiten für andre Völker, indem wir eigene und fremde Rohstoffe in industrielle Erzengnisse umwandeln und diese ausführen. Und da noch auf absehbare Zeit unsre Arbeitskraft vom Ausland in Anspruch genommen werden muß, so ist im Allgenblick zu Besorgnissen kein Anlaß. Aber der Politiker steht weiter. Fremde Völker, die wir jetzt mit unsern Jndustrie- erzeugnissen versorgen, entwickeln sich weiter und werden schließlich mehr oder weniger von uns in dieser Hinsicht unabhängig werden. Manche von ihnen streben sichtbarlich dahin, mit der Zeit einen geschlossenen Wirtschaftskreis für sich zu bilden, und einige davon, z. B. die Amerikaner, die Engländer und die Russen, werden dies vielleicht — von einigen Imponderabilien abgesehen — vermöge der ungeheuren Bodenfläche, die ihnen zur Bewirtschaftung zur Verfügung steht, eines Tages zuwege bringen. Man wird uusrer Arbeit in der Hauptsache dann nicht mehr in dem Maße wie jetzt bedürfen, und wir müssen scheil, daß wir in der Lage sind, unsern Bevölkerungsüberschnß anderweitig zu Grmzbotm IV 1910 S7