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Maßgebliches und Unmaßgebliches
„Fürchten Sie Gott, Ihre Wohlgeboren. Meine Hand soll mir verdorren, wenn ich mich bei einer solchen Gelegenheit bezahlen lasse. Bin ich ein Nichtchrist, ein Heide oder ein geschorener Türkei Laufe voran, Iwan. Hmtigl Den Schimmel vor den kleinen WagenI"
„Schuldig bleiben!" brummte er, während er dem Sohne folgte. „Hat man so etwas gehört! Habe ich nicht manches Geld von ihm verdient, wenn ich ihn jedes Jahr mehrmals zum Gouvernement fahren mußte, wo er seine Pension empfing oder seine Zinsen hob, oder wenn das Fräulein abgeholt wurde! Und jetzt spricht er so, wo er bestohlen ist! Ich müßte ja verflucht sein in dieser Welt und in jener, wenn ich Bezahlung nehmen wollte!" (Fortsetzung folgt,)
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Reichsspiegcl Berlin, 20. November 1910.
Das Merkmal der Zeit — Die Kaiserrede in Veuron — Herr von Bethmann? — Die Polennot — Das Enteignungsgesetz — Notwendigkeit innerer Kolonisation — Kleine Garnisonen — Ein deutsches Oberhans.
Der Geschichtsschreiber der gegenwärtigen Zeit wird als ihr wesentlichstes Merkmal „Mißtrauen und Mißverstehen" bezeichnen. Dem Chronisten, der sich allwöchentlich im abgeschlossenen Kämmerlein ernsthafte Rechenschaft über die Ereignisse während der abgelaufenen sieben Tage gibt, steht bei dem Gedanken an die möglichen Konsequenzen eben dieser Ereignisse manchmal das Herz still. Es scheint, als verstünde man sich im deutschen Volke nicht mehr, als redeten die Menschen in fremden Sprachen zueinander. Auch zwischen Regierung und Regierten, zwischen Rechtsprechung und Volksempfinden (Prozeß Brühn) scheinen dicke Mauern aufgerichtet, die eine Verständigung ausschließen. Blättern wir in der Geschichte unserer Nation zurück, dann entdecken wir ähnliche Zustände erst wieder in der Epoche des Vormärz. Damals herrschte dieselbe Unklarheit im politischen Denken des Volkes, dasselbe Mißverstehen und Mißdeuten gesunder Volksregungen durch die staatlichen Organe, wie heute. Der Unterschied mag wohl nur darin bestehen, daß wir gegenwärtig am Ende einer Epoche von sieben fetten Dezennien stehen, während unsere Ureltern sich am Ende von sieben mageren befanden. Aber wie damals, werden heute die Könige mit der internationalen Demokratie geschreckt und die Bangemacher haben kaum ein rechtes Bild davon, wie weit sie ihre Volksgenossen unter die Demokraten rechnen sollen. Damals galten die Großdeutschen als eine gefährliche Gesellschaft. Heute wird man nach den Auslegungen der „Deutschen Tageszeitung" unter Demokraten etwa alle die Kreise zu verstehen haben, die nicht dem Bunde der Landwirte angehören, während vom Standtpunkte der „Germania" alle Gegner der Jesuiten als Demokraten zu betrachten sein dürften.
Das Bedauerliche dieser Tatsachen ist nun, daß allem Anschein nach ähnliche Auffassungen an den höchsten Stellen unserer Staatsorganisation geteilt werden oder richtiger, daß die Kundgebungen, die von Zeit zu Zeit von höchster und aller-