Mittelschulen
von Professor Gtto Hesse-Saarbrücken
it dein Namen „Mittelschule" bezeichnet man in Süddeutschland und in Österreich alle Schulen, die zwischen der allgemeinen Volksschule und der technischen Hochschule bezw. der Universität stehen, also die Gymnasien, Realgymnasien und Realschulen. In Preußen und nach seinem Beispiele in Norddeutschland überhaupt zählt man die Hochschulen nicht mit, wenn man von Schulen spricht. Man nennt daher die im Süden Mittelschulen genannten Anstalten „höhere Lehranstalten" und gibt den Namen „Mittelschulen" den Schulen, die zwischen ihnen und der Volksschule stehen. Die einzelnen Anstalten dieser Schulart haben in verschiedenen Orten oder Landesteilen noch besondere Namen, wie: Rektoratsschulen, gehobene Schulen, höhere Stadtschulen, hessische Realschulen u. a. Die Nektoratsschulen scheiden aus unserer Betrachtung deshalb aus, weil sie nichts anderes als die Unterstufe von humanistischen Gymnasien oder Realgymnasien sind, die in kleinen Orten vorzüglich der Provinzen Hannover, Westfalen und Rheinland bestehen. Von den Mittelschulen, die uns interessieren, bestehen etwa vierhundert in gegen zweihundertdreißig preußischen Orten. Ihr Name stammt aus dem Ende des achtzehnten Jahrhunderts. Um die preußische Mittelschule hat sich der Kultusminister Dr. Falk besondere Verdienste erworben. Ihm zu Ehren nennt man sie deshalb wohl auch die Falksche Mittelschule.
Im Jahre 1869 legte der Berliner Stadtschulrat Dr. Hofmann dem Magistrat eine Denkschrift vor, in der er mit besonderer Bezugnahme auf Berliner Verhältnisse das Bedürfnis nach einer eigenen Schulart für den mittleren Bürgerstand nachwies. Die Vorschläge Hofmanns sind von der Berliner Schulverwaltung nicht gebührend berücksichtigt worden. Dagegen legte der Minister Falk die Denkschrift der von ihm einberufenen Konferenz vor, die sic^ mit Grenzboten IV 1910 25