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Das Eigenheim des Mittelstandes : ein Wort gegen die fiskalische, gemeindliche und private Bodenspekulation
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Das Eigenheim des Mittelstandes

<Lin lvort gegen die fiskalische, gemeindliche und private Bodenspekulation

von A. Reich-Friedencm

er Sehnsucht nach dem Aufenthalt in Gottes freier Natur verdanken die Vororte unserer Großstädte ihre unerwartet große Bevölkerungszunahme. Ebenso steht der Ausbau der Verbindungen zwischen Großstadt und Vorort naturgemäß im engsten Zusammen­hange mit dem Dränge weiter Kreise der Bevölkerung nach frischer Luft und mehr Erholung nach des Tages Arbeit, als sie die engen Höfe, die baum­losen, im Sommer von der Sonne durchglühten, im Winter vom Sturm durch­tobten Straßen mit ihrem durch den Verkehr und anliegende Gewerbebetriebe verursachten Lärm und üblen Gerüchen bieten können. Durch die Flutwelle der Großstädter nach den naheliegenden Vororten hat aber ein großer Teil von ihnen seinen ruhigen Landcharakter verloren. Namentlich gilt dies von fast allen Vororten um Berlin. Wer wollte z. B. heute noch Schöneberg, Charlottenburg, Friedenau, Steglitz, Rixdorf usw. zu den Orten zählen, die man des Ruhebedürfnisses wegen aufsuchen kann. Daß es möglich war, den Vorortcharakter dieser Orte so schnell und fast ganz zu vernichten, ist zum guten Teil Schuld der ursprünglichen Grundstückabmessungen. Als seinerzeit die Vororte angelegt oder erweitert wurden, glaubte man nichts Zweckmäßigeres tun zu können, als den Grundstücken dieselben Abmessungsverhältnisse zu geben, die in Berlin üblich waren, d. h. im Verhältnis zu den Straßenfronten große Tiefen. Einmal kannte man es, wie gesagt, nicht anders und manchmal mag auch der Gedankengang maßgebend gewesen sein, daß vor dem Hause der Ziergarten und dahinter der Nutzgarten liegen müsse. Ein sehr einleuchtender und manchmal, nicht immer, selbstverständlicher Gedanke.

Grmzboten IV 1910 19