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Maßgebliches und Unmaßgebliches
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gebildete: Kranken" im Deutschen mit ähnlichen Bildungen wiederzugeben, läßt die reiche deutsch - makkaronische Dichtung, der so manche humoristische Wirkungen gelangen, außer acht.

Großen Gewinn hat diese Moliere-Biographie davon gehabt, daß ihr Ver­fasser zuvor eine Shakespeares geschrieben hat. Durch das ganze Werk zieht sich der Vergleich von Moliere mit Shakespeare, der überall aufs beste dazu dient, Licht auf das Thema zu werfen. Ganz besonders auch möchte ich die feinen Bemerkungen über das Verhältnis des Dichters zu den sein Schaffen anregenden Quellen und den Moment der Konzeption hervorheben:Der Stoff ist für den Dichter das äußere Geschehnis; zum Kunstwerk erhebt er sich, indem er sich mit dem inneren Erlebnis kreuzt. Die Lektüre des spanischen DramasDer Ehemann macht die Frau" enthüllt Moliöre blitzartig die Möglichkeit, seine persönlichen Gedanken über Liebe und Ehe darzustellen . .. das ist der Moment der poetischen Konzeption. Er entschleiert dem Dichter die idealmögliche Gestaltungsfähigkeit des Stoffes, er zaubert ihm eine traumhafte Vision vor, der die Ausführung in lang­samer, mühevoller Arbeit nahe zu kommen sucht. In der Konzeption liegt das Geheimnis des poetischen Schaffens. Wenn wir den Quellen eines Dramas mit dem größten Eiser nachspüren, so geschieht es nicht, um festzustellen, dieses oder jenes Buch hat (habe) der Verfasser gelesen, sondern weil wir durch den Vergleich des Rohstoffes mit dem fertigen Kunstwerk hoffen, in die Seele des Schöpfers selbst einzudringen und ihn psychologisch zu begreifen." Diese Worte gelten für das ganze Buch: in solchem Sinne ist es geschrieben. Gelegentliche Nachlässigkeiten der Sprache (wie auch im Zitat eine angedeutet wurde) wiegen neben den großen und reichen Vorzügen leicht. Als Ganzes wird es zweifellos ebenso dankbar aufgenommen werden wie die Shakespeare-Biographie und noch wertvolleren Dienst tun: weiteren Kreisen einen Dichter näher zu bringen, dessen Name in aller Munde ist und dessen Werke doch kaum einer von tausend Gebildeten kennt.

Otto Hcmser

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In einer Zeit, die manches schöne Talent niedergehtt sah, das einst Hohes und Großes zu versprechen schien, ist es eine doppelte Freude, die stetige Entwickelung einer Künstlerin wie Ricarda Huch zu beobachten. Fast bei jedem ihrer größeren Werke erschien sie wie I eine Abgeschlossene, die ihr Ziel erreicht hat, und noch jedesmal hat sie dann nach kürzerer oder längerer Pause durch ein neues Werk überrascht, das sie in immer wieder über sich hinausweisender Entwickelung zeigt. Dabei ist in dieser weiblichen Natur nichts Sprunghaftes, keine Effekthascherei, keine Sucht nach dein unbedingt Neuen und gar nach dem Verblüffenden. Hat man wieder ein neues Wegstück mit Nicarda Huch gemacht, so erscheint einem die nun gewonnene Aussicht als das Natürlichste von der Welt immer ein Zeichen echter künstlerisch­menschlicher Entwickelung. Das zuletzt hier von mir besprochene Buch der Frau Huch, die russische GeschichteDer letzte Sommer", war nur eine leichte Zwischenarbeit