Die Lage des Deutschtums in Galizien
von Orof, Dr. Raimund Fried, Raindl-Lzernowitz
eit etwa einem Jahrzehnt hat man den Deutschen in Galizien Aufmerksamkeit zu schenken begonnen. Leider war man über sie und ihre Bedeutung in: Lande sehr wenig unterrichtet; nur so ist die verfehlte Politik, die man zur Rettung ihres Deutschtums einschlug, erklärlich. Auch über ihre Anzahl und ihre wirtschaftliche Lage wußte man wenig; auch war offenbar ihre Bedeutung für die Erhaltung des östlichen Siedlungsgebiets nicht bekannt. Nur so konnte der bedanke entstehen, die Übersiedlung dieser Deutschen in ein anderes Gebiet zu Ersuchen. Aus der folgenden Betrachtung wird sich aber wohl ergeben, daß Lage der galizischen Deutschen zwar nicht rosig ist, daß aber ihre Stellung "och immer als so kräftig gelten darf, daß ihre Erhaltung möglich ist; es wird M) aber auch zeigen, daß ihr Ausharren in Galizien für das Deutschtum notwendig ist, und daß es eine Ehrensache des großen deutschen Volkes ist, dafür Zu sorgen, daß dieser Vorposten nicht falle.
Auf galizischem Boden spielt sich schon seit Jahrhunderten ein gewaltiger Kampf zwischen Deutschtum und Poleutum ab. Ihm sind die alten deutschen Kolonien in Krakan, Lemberg, Sandec, Sanok und in zahlreichen anderen Orten !^t dem fünfzehnten Jahrhundert zum Opfer gefallen, weil die deutschen Bürger uugeeiut und vom Vaterlande völlig getrennt und verlassen dastanden. In Wchgalizicn (um Biala), wo die Deutschen einigen Rückhalt an den Volksgenossen ui Schlesien fanden, konnte das Deutschtum nie ganz ausgerottet werden. Unter günstigeren Umständen hätte ebenso wie das einst polnische Schlesien auch ganz ^estgalizien germanisiert werden können. Dazu waren die kräftigsten Anfänge bereits gemacht. An der deutschen Zips in Obcrnngarn hätte dieses Deutschtum seine kräftige Stütze gefunden und andrerseits wäre diese wieder gefördert worden
Grenzboten III W10 04