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Agnes Miegel
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Maßgebliches und Unmaßgebliches

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Jener Tage Frühlingsduft Weckt mit Glück und leiser Trauer Ein verschvll'ner Gassenhauer Wieder aus der stillen Gruft.

Agnes Miegel ist nicht das, was man eine Zeitlang einen Neutöner nannte; sie arbeitet mit den alten Mitteln des Reims, bildet wenig neue Worte und beweist so, daß eine Natur im Goethischen Sinn sich immer wieder durchsetzt, auch da, wo sie ganz Neues zu sagen hat und es nicht in unerhörter neuer Form sagt. Sie hat einen ganz persönlichen Rhythmus, und niemand, der ein Ohr für solche Dinge hat, wird ihre Verse mit denen der gleichzeitig auftretenden und ihr in manchem verwandten Balladendichter des Göttinger Kreises, Börries von Münchhausen und Lulu von Strauß und Torney. Levin Ludwig Schücking und andrer, verwechseln. Nicht nur durch Abkunft und Heimat, auch durch die Urtung ihrer Persönlichkeit scheidet sie sich von ihnen und steht mit ihrer noch so jungeir und doch so reifen Kunst wiederum ganz für sich allein. Sie hat unter den lyrischen Dichterinnen der Gegenwart keine, die voll ihresgleichen wäre in den Möglichkeiten ihres Ausdrucks so gut wie in der Höhe der erreichten Stellung. Ostpreußen hat jetzt, zum erstenmal in seiner reichen literarischen Entwicklung, auch eine große Anzahl lyrischer Talente aufzuweisen. Ich nenne Arno Holz, Georg Neicke, A. K. T. Tielo, Carl Bulcke, Walther Heymann so verwandt Agnes Miegel auch einzelnen von diesen, zum Beispiel Tielo, nach Stoff und Stimmung gelegentlich erscheinen mag. so steht sie auch unter ihnen wiederum für sich durch die volle Weiblichkeit in Empfindung und Ausdruck, die sie von den Männern trennt, durch die stärkere Kraft der Gestaltung, die sie von den älteren, durch die größere Reife, die sie von den jüngeren der Genannten scheidet. Die beiden schmalen Bände, die sie gegeben hat. gehören zum Köstlichsten, was uns die deutsche Dichtung der letzten zehn Jahre beschert hat, und ihr gewählter und mit hoher Selbst­kritik auf ein bescheidenes Maß zusammengedrängter Ertrag birgt die Gewähr in sich, daß nichts daraus der Zukunft verloren gehn wird.

Maßgebliches und Unmaßgebliches

Reichsspiegel Berlin. 28. August 1910.

Die Rede des Kronprinzen - Der rechte Mgel der Wttelparteim - ^ Rede des Königs von Preußen - Das ostc.stat.sche Problem - Baltanfragen ^- Deutschland als Lehrmeister.

Der Kronvrw bat am Dienstag, den 23.. vielen deutsch Denkenden eine Freud?^t?Zn MM.ß m! seine feierliche Investitur und ^lamation als Kector ^smkicentissimus der Albertus-Un.vers.tat zu Königsberg hat er m Rede gehalten, die die Worte enthielt: ..Weisen Sie uns die Wege, auf