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Qualitätsbezeichnungen
von Dr. Heinrich pndor
m die Konkurrenz auszuschalten, bedient man sich im gewerblichen wie im geschäftlichen Leben zumeist nicht des Mittels der Erhöhung zder Qualität einer Ware, sondern der Verbilligung derselben. Solange nun diese Verbilligung nicht auf Kosten der Qualität geschieht, sondern mit Hilfe technischer Errungenschaften, ist nichts dagegen einzuwenden. Sobald aber diese Verbilligung in der Art einer Qualitätsverschleierung mittels einer Vortäuschung echten oder wertvolleren Materiales durch ein unechtes und minder wertvolles Material (Materialfälschung und Materialverfälschung) geschieht, liegt eine Form des unlauteren Wettbewerbes vor, liegt ein Vergehen gegen Treu und Glauben, liegt eine arglistige Täuschung vor.
Es ist noch nicht lange her, daß uns die Augen über die Unrechtmäßigkeit dieses Konkurrenzkampfes aufgegangen sind. Früher meinte man, daß man es hier mit einer begreiflichen und verzeihlichen Form der schrankenlosen Konkurrenz als Folge der Gewerbefreiheit zu tun habe. Das Gewissen erwachte zuerst in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts in München, wo Joseph Bauschinger, Professor an der Technischen Hochschule in München und Vorstand der mit ihr verbundenen mechanisch-technischen Versuchsanstalt für Baumaterialien, im Jahre 1885 die erste Versammlung zur Aufstellung von Vereinbarungen und einheitlichen Prüfungsmethoden von Bau- und Konstruktionsmaterialien einberief. Er war es auch, der der in Berlin zu demselben Zweck tagenden internationalen Konferenz 1890 präsidierte, aus der der Internationale Verband für die Materialprüfungen der Technik hervorging. Bauschinger starb im Jahre 1893 in München. In München wirkte ferner der große Hygieniker Max von Pettenkofer, dem das deutsche Nahrungsmittelbuch, also die Materialkontrolle auf dem Gebiete der Ernährung, zu danken ist. Erinnert sei dabei an Petten- kofers Tätigkeit an der Münze, an seine Bestrebungen zur Affinierung des Goldes und Verbreitung des Platins. In München wirkte ferner A. W. Keim, den: wir das deutsche Farbenbuch zu danken haben werden. Auf dem rechtlichen Gebiete begann die Bewegung Anfang der neunziger Jahre in Berlin").
") Vgl. Näheres hierüber in dem Artikel des Verfassers „Jndustrieschutz" in der „Zeitschrift für Jndustrierccht", August 1909.