Beitrag 
Aus dem Lande der Freiheit : der Sabbatfanatismus
Seite
86
Einzelbild herunterladen
 

86

Maßgebliches und Unmaßgebliches

mitzuteilen, welcher Kirche Taft angehöre, nämlich einer Richtung, welche das Trinitätsdogma ablehnt, also auch von dem Gottmenschentum des Stifters der christlichen Religion abstrahiert.

Spielten doch schon die zweiCocktails", welche William Tast bei irgend­einer öffentlichen! Gelegenheit getrunken hatte oder getrunken haben sollte, während seiner Wählkampagne eine große Rolle, wobei seine Parteifreunde alle Hände voll zu tun hatten, dieseAffäre" in möglichst mildem Lichte erscheinen zu lassen. Sehr anzuerkennen ist es schon, daß Herr Taft diese beiden Saratoga-Cocktails überhaupt nicht gänzlich abgeleugnet hat. Denn im allgemeinen bemüht sich auch er trotz seines persönlich sehr freisinnigen Standpunktes aufs eifrigstemitzumachen", wie er es denn auch ganz speziell stets vermeidet, sich am Sonntag öffentlich bei irgendeinerweltlichen" Verrichtung zu zeigen.

Der Rücktritt des Erbprinzen von Hohenlohe-Langenlmrg vom Neichstags- präsidium Zu Nheiubabcns Rücktritt Das russisch-japanische Abkommen Kreta.

Ein neuer Anlaß zur allgemeinen Erörterung unsrer innerpolitischen Lage ist durch eine Überraschung, die uns ein hochgestellter Mann bereitet hat, gegeben. Der Erbprinz von Hohenlohe-Langenburg ist von seiner Stellung im Reichstags­präsidium er war bekanntlich zweiter Vizepräsident zurückgetreten und hat diesen Schritt in einer längeren öffentlichen Erklärung begründet. Von Anfang an ist niemand im Zweifel gewesen, daß die Annahme des Postens, den der Erbprinz bisher im Reichstagspräsidium bekleidet hat, für ihn ein schweres patriotisches Opfer war. Nur mit starker Selbstverleugnung konnte er sich dazu verstehen; das war einleuchtend, und dafür schuldete man ihm Dank. Seitdem haben sich die Dinge weiter entwickelt, gewiß nicht zur Freude der meisten Patrioten nnd am allerwenigsten derer, die ungefähr von den gleichen Gesinnungen und Anschauungen ausgehen wie der Erbprinz. Es ist also wohl zu verstehen, daß Prinz Hohenlohe den Widerspruch zwischen der wirklichen Lage und der, die er bei Übernahme der zweiten Vizepräsidentschaft des Reichstags angestrebt oder wenigstens zu retten gehofft hatte, von Tag zu Tag stärker und allmählich bis zum Unerträglichen empfand. Wenn er eines Tages daraus die Konsequenz zog, die in dem jetzt vollzognen Schritt ausgedrückt wird, so kennzeichnet das nur aufs neue die vor­nehme, hochgesinnte Denkweise, die der Prinz von jeher in allen Lebenslagen betätigt hat.

Allein der Politiker kann sich mit dem Zeugnis persönlicher Hochachtung nicht begnügen. Er mutz kühl und nüchtern fragen, welche Folgen ein politischer Schritt nach sich zieht, und ebensowenig wie uns die persönlich achtungswerte Tat eines politischen Gegners bei voller Anerkennung ihrer Motive veranlassen kann, in daS Lager der Gegenpartei überzugehen, so kann auch ein aus Charakter und

Maßgebliches und Unmaßgebliches

Reichsspiegel

Berlin. 9. Juli 1910.