Elsaß-lothringische Fragen
Die Autonomie")
Klar siehet, wer von ferne siehet, Und nebelhaft, wer Anteil nimmt. (Aus den Sprüchen des Lno-Tse.)
ie diesjährigen Kaisertage in Elsaß-Lothringen sind wieder einmal vorüber, wieder einmal sind dem Herrscher des Deutschen Reiches Huldigungen aller Art dargebracht worden; Girlanden, Blumen und Fahnen schmückten die Städte und Dörfer, die der Kaiser besuchte; patriotische Ansprachen sind gehalten worden und wieder einmal hat der Kaiser durch seinen berufenen Vertreter, den Statthalter, der elsaß-lothringischen Bevölkerung für ihre loyale Haltung kaiserlichen Dank aussprechen lassen. — Und wiederum zu Pfingsten beim großen Sängerfeste in Kolmar, ist der Vertreter des Kaisers mit seiner Gemahlin festlich empfangen, mit Blumen bedacht, mit Zurufen und patriotischen Reden begrüßt worden.
In welch seltsamem Gegensatze stehen diese Vorgänge zu den Auftritten im kleinen elsaß-lothringischen Parlament während dessen letzter Tagung, und zu den Denkmalsfeiern von Weißenbnrg und Noisseville; wie merkwürdig ist der Widerspruch zwischen der Haltung und den Reden gerade der bekannten Kolmarer Abgeordneten bei diesen verschiedenen Anlässen!
Wie erklärt sich dieser Widerspruch? Ist wirklich aus Saulus ein Paulus geworden? Selbst weniger skeptisch veranlagte Leute werden das wohl bezweifeln. Oder ist die „Bande von ctisnapans und banäit,8^)", die
Vergl. auch Grenzboten Nr. 10 u. 17 von 1910. Anläßlich der letzten Landesnusschußwahlen hat der Abgeordnete Ostermeyer in Gebwciler vor der Wahl zu einem bekannten Fabrikanten, einem Vorstandsmitglieds der liberalen Parteiorganisation, gesagt, es sei eines Elsässers unwürdig, für einen altdeutschen Kandidaten und noch dazu für einen altdeutschen Beamten einzutreten; die deutschen Beamten seien eine Bande von Schuapphähnen und Banditen usw. —
GrenzSoten II 1910 74