514
Gedichte
deren Beispiel bis jetzt recht gute Früchte getragen hat. Diese Bestrebungen machen gerade jetzt auch deshalb z. B. größere Fortschritte, weil die Gewerkschafts- sührer immer mehr in dem Alkohol einen Mitverschulder erfolgloser Streiks und sonstiger gewerkschaftlichen Bestrebungen erkennen. In Schweden hat bei dem letzten Generalstreik die Streikleitung von vornherein den Genuß von Alkohol verboten und ist darin auch von der Regierung unterstützt worden. Auch der neue Entwurf zur Reichsversicherungsordnung läßt den Krankenkassen mehr als bisher freien Spielraum in der Verwendung von Kassenmitteln zur Bekämpfung des übermäßigen Alkoholgenusses. Eine ähnliche Absicht verfolgt auch der Vorentwurf zum neuen Strafgesetzbuch. Trunkenheitsdelikte wurden bisher so behandelt, daß bei sinnloser Trunkenheit Freispruch erfolgte oder Angetrunkenheit ein Grund für mildernde Umstände war. Nunmehr macht der Vorentwurf zum neuen Strafgesetzbuch den Vorschlag, daß das Gericht in Fällen von Trunkenheit neben der Strafe auch auf Verbot des Wirtshausbesuches erkennen kann. Ferner kann die Unterbringung des Verurteilten in einer Trinkerheilanstalt angeordnet werden.
All diese Maßnahmen werden zweifellos nicht bewirken, daß der Alkoholkonsum aufhört, das ist ein Ding der Unmöglichkeit. Darum schießen auch die Bestrebungen der reinen Abstinenzler über das Ziel hinaus. Unter Berücksichtigung einer gesunden Realpolitik muß hier das unverrückbare Ziel bleiben: Bekämpfung des übermäßigen Alkoholgenusses im Interesse des einzelnen, im Interesse der gesamten Volkswirtschaft und damit auch im Interesse der Erhaltung der deutschen Wehrkraft.
Lied am Weg
Ein kleines Lied, das im Vorüberschreitcn Aus fremdem Haus in deine Seele klingt, Ist wie ein Riese, der in deinem Innern ringt, Bis jede Maske deiner Fröhlichkeiten In eine leise Trauer niedersinkt.
In der Mondnacht
Wenn die Nächte voll Mondlicht sind,
Weiß nicht, wo kommt es her?
Kein Mensch will schlafen mehr,
Wird jeder wieder ein Kind;
Will immer vor seinein Fenster stehn
Und nach den ziehenden Wolken sehn . . .
Armin T, wegner