Bismarck und England
Line historisch-politische Auseinandersetzung über „ZVeltvolitik" und die
britische „Gefahr"
von Maximilian von Hagen
m Kampf der Meinungen um das deutsch-englische Problem scheint eine ruhige historische Betrachtung um so eher am Platze, seitdem sich die politische Leidenschaft auf beiden Seiten etwas gelegt hat und damit eine Pause zur Besinnung eingetreten ist. Erich Marcks hat soeben eine Darstellung des Problems im weltgeschichtlichen Rahmen veröffentlicht („Die Einheitlichkeit der englischen Auslandspolitik von 1600 bis zur Gegenwart." Stuttgart und Berlin, Cotta. 38 S., geh. 1 M.), der alldeutsche Politiker Graf Ernst zu Neventlow hat sie noch vor Ausgang der englischen Parlamentswahlen in einer politischen Tendenzbroschüre mit der Beschränkung auf unser Thema versucht („Was würde Bismarck sagen? Zur deutschen Flotte, zu England — Deutschland?" Berlin, Deutscher Kolomal- verlag. G. Meinecke. 119 S., geh. 2 M.). Da dieser letztgenannten Schrift von historischer Seite aus methodischen und sachlichen Gründen vielfach widersprochen werden muß, mag eine eingehende Besprechung gerade heute nicht »»willkommen sein. Sie wird uns mit Bismarckschen Augen objektiv sehen lehren, 'vie sich der deutsch-englische Gegensatz überbrücken und überwinden läßt, obwohl ^in endlicher Ausbruch iu der konsequenten Reihe einer einheitlichen Entwicklung der britischen Auslandspolitik seit Elisabeths Zeiten zu liegen scheint.
Zwar weiß auch Reventlow, wie mißlich es ist, aus Bismärcks Politik, die sich unter ganz anderen Verhältnissen, als sie heute bestehen, entwickelte, seine Stellung in unserer jetzigen Situation erraten oder gar daraus die rechte Politik der Gegenwart konstruieren zu wollen. Allein durch tendenziöse Stoff- Auswahl an der Hand des (wohl als Nachschlagebuch für wissenschaftliche Benutzung, Grcnzbotcn II 1910 62