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Maßgebliches und Unmaßgebliches
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Maßgebliches und Unmaßgebliches

Reichsspieqel Berlin, 21. Mai 1910.

(Zum Thronwechsel in England Deutschland in Persien Die innere Lage.)

König Eduard der Siebente ist in der St. Georgs-Kapelle des Schlosses von Windsor gestern zur letzten Ruhe bestattet worden. In dein düstern Glanz dieses Leichenbegängnisses zeigte sich die Bedeutung nicht nur der persönlichen Macht­stellung, die der verstorbene Herrscher als Haupt eines Weltreichs und durch seine Persönlichen Eigenschaften genossen hatte.sondern auch der weitverzweigten dynastischen Beziehungen, über die der erste Koburger auf dem Thron Großbritanniens verfügte. Neben seinein Nachfolger, König Georg dem Fünften, standen noch drei Könige aus dem Hanse Koburg an der Bahre des Entschlafenen, die von Belgien, Portugal und Bulgarien. Der Deutsche Kaiser als Neffe, die Könige von Dänemark und Griechenland als Schwäger, der König von Norwegen als Schwiegersohn, der von Spanien als Gemahl der Nichte, das waren allein neun gekrönte Häupter, die sich auf Grund ihrer verwandtschaftlichen Beziehungen zu dem verstorbenen König in Person eingefuuden hatten. Es ist keine Redensart im amtlichen Kurialstil, der bei solchen Gelegenheiten blüht, sondern eine beachtenswerte Wahrheit, an der der Politiker und Historiker nicht vorbeigehen darf, wenn man hervorhebt, dasz dieseKavalkade von Königen", die dem Sarge König Eduards von Westmmster Hall aus folgte, nicht einer bloßen Konvention, sondern einem persönlichen Herzens­bedürfnis genügte. Das gilt auch von unserm Kaiser, der in tiefer Ergriffenheit, Hand in Hand mit König Georg dem Fünften, von der sterblichen Hülle des Oheims Abschied nahm. Wohl waren es zwei sehr verschieden geartete Persönlichkeiten, und allbekannt ist eS, daß diese Verschiedenheiten zeitweise hart gegeneinander stießen. Aber entscheidende Eigenschaften des Herzens und Verstandes führten doch beide schließlich zusammen und lehrten sie das Persönliche von der Pflicht des Herrscherberufs trennen. Und wenn man genauer zusieht, findet man, daß in der Auffassung des Herrscherberufs am letzten Ende gerade das verbindende Moment für diese scheinbar entgegengesetzten Natnren lag. Nur daß jeder von beiden in der Pflichterfüllung, die sein Leben ausfüllte und in deren Dienst er seine ganzen Kräfte stellte, sich andern Verhältnissen, andern Mitteln und Wegen, andern Rechten und Traditionen gegenübersah.

Die öffentliche Meinung Deutschlands sowohl wie Englands hat das häufig übersehen oder mindestens unterschätzt. In England herrscht viel aufrichtige Bewunderung der Persönlichkeit Kaiser Wilhelms des Zweiten, aber man stellt sich