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Die Freiheit der Wissenschaft. I.
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Gustav Falke

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nicht ersichtlich. Mau beachte ferner, daß das Urteil des Papstes nur unter gewissen Bedingungen vor Irrtum geschützt ist, d. h. wenn er eine Entscheidung (Definitiv) ex catneära trifft. Wir werden auf diesen wichtigen Punkt später noch zurückzukommen haben. Man beachte endlich den Ausdruck der innern Zustimmung. Also es wird nicht nur eine Unterwerfung in der äußerlichen Form verlangt, sondern auch ein Gewissenszwang ausgeübt, in moralischer Beziehung zweifellos das Unsittlichste, was man begehen kann. Und das alles vereinigt der Verfasser als Sprachrohr des Ultramontanismus mit der .Freiheit der Wissenschaft-.

Die Naturforschung soll im allgemeinen frei sein; die Physiker und Chemiker können sich in ihren Laboratorien mit Naturwissenschaften beschäftigen, soviel sie wollen. Dann kommt aber sofort wieder die Ausnahme (S. 106): Allerdings wenn sie die Schöpfung, die Möglichkeit der Wunder leugnen, dann kommen sie mit dem Glauben in Berührung, aber dann haben sie auf­gehört, Naturforscher zu sein. Sie sind Philosophen geworden." Also der Naturforscher darf sich nicht mit den Heilungen von Lourdes und denen durch die Berührung des heiligen Rockes von Trier beschäftigen. Der Arzt wird Philosoph, wenn er erklärt, daß die von der Feststellungskommission in Lourdes behauptete Heilung eines Lupuskranken nicht der Wahrheit entspricht. Das ist die Logik des Ultramontanismus.

Gustav Falke

von Heinrich Sxiero

as litcrarische Leben Deutschlands ist in neuerer Zeit niemals völlig zentralisiert gewesen. Selbst während der Blüte Weimars gab es nicht nur in Schwaben und in Berlin abseits stehende Kreise. Und als mit Schiller die eigentlich zusammenhaltende und literaturpolitisch wirkende Kraft dahingegangen war, wurde die Vereinzelung wieder stärker. Kaum eine Stadt in Deutschland hat sich dauernd als literarischer Vorort behaupten können, und zum Beispiel die schwankenden Schicksale Leipzigs und Dresdens wären ein dankbarer Gegenstand der Unter­suchung"). Nach dem Jahre 1889 erschien es insbesondere so, als ob Berlin und München allein die Vorherrschaft gewonnen hätten und daneben höchstens noch versprengte Kräfte in größeren: oder kleinerem Zusammenhang mit den

*) Für Leipzig hat G. Witlowski dies unternommen, in seinerGeschichte des literarischcn Lebens in Leipzig (Festschrift der Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften zum Jubiläum der Universität), Allerdings geht er mir bis zum Beginn der neuesten Zeit.