Die Idee der Humanität und die Freimaurer
ie Preßerörterungen, die seit Wochen die Aufmerksamkeit weiter Kreise auf die Sache der Freimaurer gelenkt haben, sind eher geeignet, das Urteil zu verwirren als aufzuklären. Die Auseinandersetzungen sind in der Tagespresse viel zu sehr auf das politische Gebiet hinübergespielt worden. Infolgedessen gewinnt der Fernerstehende leicht den Eindruck, als ob hier ein Kampf politischer Parteien und politischer Theorien vorliege. In Wirklichkeit steht die Sache anders. Der Kampf ist allerdings von einer politischen Partei, nämlich dem Klerikalismus, begonnen worden, aber selbst die führenden Organe dieser Partei haben wiederholt uud zutreffend erklärt, daß sie nicht in erster Linie deshalb gegen die Freimaurerei Front machen, weil sie diese als eine politische Organisation betrachten, sondern weil sie in ihr die Vertreter einer Weltanschauung erkennen, die zu der hierarchischen Weltanschauung in einem tiefen und unlösbaren Gegensatz steht. Daher ist es auch gekommen, daß die Ausführungen dieser Blätter, die doch zugleich auch die kirchlichen Interessen vertreten, die Organe fast aller anderen Parteien bis tief in die konservativen Kreise hinein aus den Kampfplatz gerufen haben und daß selbst in der katholischen Presse einzelne abweichende Stimmen zutage getreten sind.
Die Konflikte haben ihren Ansgang genommen von einer offiziellen Auslassung der C.P.C., die der Freimaurerei, insbesondere der deutscheu, den Charakter einer ethischen Gesellschaft beilegen wollte, deren „gänzliche politische Bedeutungslosigkeit" notorisch sei. Mit Recht hat daraufhin ein sachverständiger katholischer Beurteiler in der „Germania" auseinandergesetzt, daß diese Charakteristik nicht zutreffe. Rein ethische Bestrebungen neben einem religiösen Jndisferentismus, den die C. P. C. als hervorstechende Eigenschaft der Freimaurer bezeichnet hatte, konnten, sagt die „Germania", nie und nimmer das Grundprinzip eines Welt- Grenzboten II 1910 K8