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Im Kampf gegen die Übermacht : Roman : Übersetzung von Mathilde Mann
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Maßgebliches und Unmaßgebliches

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Der schwache Schimmer der Sternennacht schien zu den Fenstern hinein, lag über dem leeren Kirchenraum,

Er öffnete die Tür, die zum Altar führte, und stieg die Stufen hinan. Auf dem Betschemel kniete er nieder und beugte den Kopf über den gefalteten Händen auf der Altardecke.

Friede senkte sich auf seine Seele hinab.

Sein gemartertes Herz löste sich in stillen, warmen Tränen auf. Und er fühlte, wie der Geist des Herrn in der Stille über ihn kam, und eine namenlose Glückseligkeit durchschauerte ihn.

Endlich stand er auf und ging mit gefalteten Händen die Altarstufen hinunter.

Sein Antlitz leuchtete. Er hatte Gott gefunden.

Durch die geöffnete Sakristeitür schritt er in den Schnee hinaus. Aber als er sich dem Pfarrhause näherte, wo das Licht im Fenster des Arbeitszimmers schimmerte, wandte er sich jäh um.

Neinnein! Nicht dahin! Nicht dahin! Nicht zu Menschen!" Jetzt durste er Gott nicht wieder verlieren. . .

Und er schlug die entgegengesetzte Richtung ein. An allen Häuseru vorüber, hinaus zu dem großen Stein auf der Landzunge.

Nie wieder durfte er seinen Gott verlieren.

Und er ließ sich in die schwarzblanke Tiefe hinabgleiten, in der sich die Sterne spiegelten.

Ende.

Maßgebliches und Unmaßgebliches

Reichsspiegel Berlin, 8. Mai 1910.

(König Eduard f König Georg der Fünfte Verstimmungen.)

Selbst in unsrer hastenden Zeit, in der die Gedanken Millionen verschiednen Zielen nachjagen, treten Augenblicke der Sammlung ein, die das Denken aller auf ein einziges Ereignis vereinigen. Es bildet sich der Eindruck, als stünde plötzlich alles Getriebe der Welt still. Solch eine Pause atemloser Spannung ist eingetreten, als die Welt die Nachricht durcheilte, König Eduard der Siebente von England habe sein Erdenwerk beendet. Wäre uns die Bedeutung dieses Königs nicht stets gegenwärtig gewesen, die Art, wie sein Hinscheiden die gesamte Welt erfaßte, hätte uns das Bekenntnis abringen müssen, daß hier ein Gewaltiger, ein Großer im weitesten Sinne vom Kampfplatz abgetreten ist.

Was bedeutete uns König Eduard? Selbst seine Gegner, gestehen an seiner Bahre, daß er kein Feind des deutschen Volkes als solchem war, ja, sie erklären seine dem Deutschen Reich feindliche Politik sogar aus der anerkennenden Bewertung der deutschen Nation als arbeitsame, Kultur erzeugende, aber grade deshalb dem britischen Reiche unbequeme Macht. Sein Argwohn gegen diese Macht wurde angeblich geweckt durch den jungen Führer der Deutschen, seinen Neffen Wilhelm von Hohenzollern, der zum Soldaten erzogen auch im Kreise von seinesgleichen den preußischen Soldaten stets hervorzukehren liebt und dessen impulsive Art den zwei Dezennien ältern Oheim zu stören wohl geeignet war.