222 Im Kampf gegen die Übermacht
unmittelbares Betonen der innerlichen Absicht sind Merkmale deutscher Art. Das bestätigt in dieser Ausstellung nicht nur Hodler, der Schweizer, sondern auch Hans Thoma, dessen innere Absicht ja Ausdruck der Empfindung ist, bestätigt ein unbekannter Maler Oswald Galle, der mit deutschem Sinn gefühlt hat, wie schön nackte Jünglingsleiber und blonde Köpfe gegen eine grüne Wiese und eine graue Luft stehen, bestätigt ein ebenso unbekannter Walther Klemm, der die charakteristischen Silhouetten von Schlittschuhläufern von Hellem Eise sich abheben sah. Solche Erscheinungen geben die Hoffnung, daß die gesunde deutsche Art der Kunstübung sich ununterbrochen erneut, auch wenn die Kunstmode Frankreichs ihre Herrschaft ausübt.
Ebensoviel Verwirrung der Begriffe wie in der Malerei zeigt sich in der Plastik. Archaistische Bestrebungen, falsche Französelei wechseln miteinander ab. Die beiden delikaten Frauenbüsten von Fritz Klimsch, eine im Motiv fciu gefühlte riesige Halbfigur einer Schlafenden von Engelmann, ein Relief von Kolbe und ein kühner, aber in der Ausführung billiger Versuch Albikers, die Überraschung der badenden Susanna auszudrücken, sind alles, was ernsthafte Beachtung in der Ausstellung verdient. Daß sie trotzdem nicht die schlechteste ist, welche die Berliner Sezession gemacht hat, dürfte dieser Bericht beweisen. Möchte es nicht die letzte gewesen sein, möchten die produktiven Kräfte in der Sezession zusammenhalten, möchten sie bestrebt sein, der zwecklosen Ausländern des jungen Geschlechts einen Niegel vorzuschieben, und ihren Plan, die solide künstlerische Arbeit hochzuhalten, durchführen können. Denn der ernsthaft arbeitende Mensch hält es unter seiner Würde, jeder Mode nachzulaufen, uud so wird auf dem Bodeu ehrlicher Arbeit ganz von selbst aufwachsen, was die Herzen ersehnen: eine gute und starke deutsche Kunst.
ts) Im Aampf gegen die Übermacht
Roman von Bernt Lie Berechtigte Übersetzung von Mathilde Mann
Des Pfarrers Gesicht war weiß wie das weißeMeßgewcmd. Und abgemagert wie das eines Toten. Die Augen brannten groß uud starr zu der Decke der Kirche empor. Seine Stimme zitterte, und statt die Messe zu verrichten, vorlas er den Text aus der Bibel.
Auf der Kanzel stand er ebenso — die Allgen erhoben. Und seine Predigt war still und leise — mit großen Pausen, als kämpfe er mit dem Weinen.
Da waren viele Abendmahlsgäste und mehrere Taufen. Und der Pfarrer vollzog die Geschäfte mit Ruhe und Freundlichkeit wie immer. Am Nachmittag kamen auch viele Leute zu ihm ins Haus. Er sprach mit ihnen allen und jeder erledigte sein Anliegen.