Gebet für ein wachsendes Heuer
Verschont mich, Freunde, mit den Koryphäen. Der laute Ruhm, er macht sie gipfelblind. Daß gipfelstolz sie nie zur Zeit erspähen. Wie sie ja längst schon wieder unten sind.
Verschont mich mit dem Seienden nnd Großen, Der fertig seinen Ruhmesbakel schwingt, Der, gestern schon vom Postament gestoßen, Sich heut noch balsamierte Hymnen singt.
Wie er sich spreizt und wie er voll Gefallen Sich sonnen will an kalt gewordnem Ruhm, Ließ längst ein andrer sich die Brünne schnallen Und wirft den alten Krempel-Tempel um.
Und deu zu sehn in seinem ersten Willen, Zu wissen, daß er einst die Schlachten schlägt, Zu sehu, wie arbeitsglühend er im Stillen Zu neuem Bau schon Stein zu Steine trägt.
Wie tausendfältig hier lebendge Säfte
Ein WillenSfeuer siegerstolz dnrchkreist,
Den morschen Zierat alter Lnuzenschäfte
Ein Schwertschlag lachend in die Ecke schmeißt,
Die Zukunft fühlen und dieS Feuer kennen, Das, heimlich wachsend, eignen Glanz gebiert, Nnd, muß es an sich selber nicht verbrennen, Sein Licht einst schenkend an die Welt verliert,
— spring hoch, o Lnst! — so Werdendes zu schauen An fremdem Leben, geht wie Glück ins Blut. Wo, Flamme, brennst du hin? Zu Glanz? Zu Grauen? Ihr Götter, hütet, segnet solche Glut!
Adolf Pettenz
Greuzlwwi II 1910
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