Von neuen Büchern
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Von neuen Büchern
Walther Heymann: Nehrungsbilder (Königsberg, Deutschherren-Verlag). — Hertha König: Sonnenuhr (München, C. H. Beck). — Ulrich Steindorf: Gedichte (Berlin, Harmonie). — Anna Klie: Gedichte (Braunschweig, Benno Goeritz). — Rudolf Lindau: Nachlese (Berlin, E. Fleischel u. Co.). — Adolf Küster, Die zehn Schornsteine (München, Alb. Langen). — Lily Braun: Memoiren einer Sozialistin (München, Alb. Langen). — Sophie Hochstetter: Frieda Freiin v. Bülow (Dresden, C. Reißner). — Fürstin Marie zu Hohen- lohe und Ferdinand v. Saar. Briefwechsel, herausg. von Anton Bettelheim (Wien, Christoph Riessers Söhne). — Isolde Kurz: Hermann Kurz. Und: Florentinische Erinnerungen (Beide: München, Georg Müller).,— Karl Scheffler: Berlin. Ein Stadtschicksal (Berlin, Erich Reiß).
Was ich hier von der allgemeinen Beurteilung des deutschen Romans der Gegenwart sagte, gilt auch von der Lyrik: Auch ihr wird alle Tage das Horoskop gestellt mit dem rasch ge.fundnen Ergebnis, daß sie nichts Neues mehr bringe, unheilbar, mit Fontane zu sprechen, „an der Dublettenkrankheit leide". Und auch das ist ungerecht und kurzsichtig geurteilt. Sie hat genau denselben Entwicklungsgang genommen wie der Roman, nur noch größere Höhen erflogen, uns an größere Maßstäbe gewöhnt, und deshalb sind viele von uns ungerecht geworden. Man vergleiche doch einmal unbefangen, was on neuer Lyrik in den sechziger und siebziger Jahren und was dann in den drei Jahrzehnten seit 1880 geboren wurde. In diesen letzten Jahrzehnten erst kamen die großen lyrischen Meister der vierziger und fünfziger Jahre, Storm, Fontane, Keller, Hebbel, kamen Mörike. Annette von Droste und Strachwitz zu später, voller Wirkung, und nun traten, Liliencron an der Spitze, die Jüngeren auf, von Falke und Dehmel bis zu Rilke und Agnes Miegel, eine große Zahl selbständiger, starker Begabungen, vor allem eigner Individualitäten. Und selbst, wo der Strom im Laufe der Zeit einmal mehr . flach und breit als tief und voll ward, blieb die Verszucht erfreulich, und neben vielem Gesuchten und Gezierten, neben der Artistenlyrik einer überfeinerten Nervenkultur grüßten uns immer wieder frische und vollgültige Töne. So habe ich hier die beiden Versbände des Ostpreußen A. K. T. Tielo rühmen dürfen, und so hebe ich heute die Lyrik eines andern, jüngern Ostpreußen, Walther Heymann, aus der Menge. In seinem ersten Buch „Der Springbrunnen" (vor zwei Jahren bei R. Piper u. Co. in München erschienen) gab er eine Reihe knapp zusammengefaßter und gut betonter Balladen, wie „Die goldene Kugel", sehr eigenartige Bilder, sicher gesehene Vorgänge der Natur, die sich oft zu einer nicht immer so sichern, aber leidenschaftlich suchenden Symbolik steigerten. In seinein neuen Buch „Nehrungsbilder" (Königsberg, Deutschherren-Verlag) ist nun freilich des Gesuchten, gelegentlich auch des Gezierten noch mehr. Gefährlicherweise glaubt Heymann mit einer gewissen Ängstlichkeit, den landläufigen Ausdruck auch da vermeiden zu müssen, wo er nichts als der natürliche und gegebene des Dichters wäre. Dafür entschädigt er nun aber durch eine reifende Darstellung der Natur in ihren größten Eindrücken. Die Aufschrift des Bandes weist auf die Nehrung hin, die unvergleichlich eigenartige Landschaft des schmalen Streifens zwischen Kurischem Haff und Ostsee — die letzte Dichtung des Bandes, „Hochdüne", gilt