Im Kampf gegen die Übermacht
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8) Im Aampf gegen die Übermacht
Roman von Bernt Lie Berechtigte Übersetzung von Mathilde Mann
Sie freuten sich alle darüber, daß der Pfarrer mit so viel Wärme erklärte, er befinde sich wohl in seinem neuen Amt. Dabei lächelten sie aber mit ein wenig besorgten Mienen, wenn das Gespräch auf den Winter kam. Er müsse Wohl damit warten, sich eine Ansicht zu bilden, bis er auch den erlebt hatte!
Und wohl mußte es ein Tummelplatz für Sturm und Unwetter sein, hier draußen an dem offnen EismeerI
Aber er fürchtete weder den Sturm noch die Finsternis oder Kälte! In seine Seele war hier oben ein tiefer Friede eingezogen. Und der würde bei einem Unwetter im Meer nicht verloren gehen. Es war ihm, als seien alle Unruhe und Ängste der Welt tausend Meilen weit gewichen, als könnten sie nimmer diesen mächtigen, fernen Tempel zwischen den Bergen, dem Himmel und dem Meer erreichen. Sein Herz schwoll von Mut und guter Hoffnung, denn hier hatte er sich selbst und seinen Gott wiedergefunden.
Jetzt wußte er sich wieder mit Zuversicht auf dem rechten Wege vorwärts, den Herrn zur Seite.---
Lange blieb er auf dem großen Stein an der Spitze der Landzunge sitzen, während die Sonne langsam westwärts wanderte und sich dem Meere näherte. Als er sich endlich erhob, hatte er Mühe, trocknen Fußes an Land zu gelangen. Die See war hinter ihm gestiegen, während er hier gesessen und in die Ferne gesehen hatte — oder in die blanke, jähe Tiefe an der Außenseite des Steines.
Er mußte ein paar tüchtige Sprünge machen. Und dann trat er den Heimweg an — und hoffte, daß Jonincr kein Salz in den guten Kaffee getan hatte.
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Gleich einem gewaltigen Orgelgebrause setzte der Winter mit Sturm aus Nordwesten ein. Und es folgten neue Stürme mit wild aufbrausendem Meer und Nebel in den Bergen.
Wenn der Sturm innehielt und sich verschnaufte, donnerte noch sein Echo. Das Meer war in Aufruhr und schlug schwer gegen die Landzunge und die Klippen, während die Wellen in der brütenden Dunkelheit schaumweiß leuchteten.
Und ein neues Unwetter brach ein. . .
Der Pfarrer Sören Römer war eines Nachts in einem Vierruderboot über den Fjord hinüber nach Meiland, Maasvär gerade gegenüber, gefahren. Er war von Amts wegen zu einer Sterbenden gerufen. Dies war nicht seine erste und blieb auch nicht seine letzte Fahrt im Sturm in offnem Boot. Aber sie blieb ihm unvergeßlich wie keine andre weder früher noch später.
Es war ihm, als gehe es mehr unter dem Wasser dahin als über demselben. Der Führer des Bootes — es war der Vater der Kranken — packte ihn um die Taille und preßte ihn fest an sich, während er mit der andern Hand das Steuerruder hielt. Halb liegend, hintenüber gebeugt, sah der Pfarrer durch den Gischt nichts weiter als den Himmel mit Wolken, die in rasender Fahrt unter Sternen und Mond dahintrieben — und von Zeit zu Zeit den Kamm einer Welle, die weißschäumend und von Meerleuchten aufblitzend dahinraste. Er fühlte, wie ihm das eiskalte Wasser bis an die Knie hinaufspülte, und das Boot schoß dahin wie ein gejagtes Tier zwischen brüllenden Feinden, verwirrt und erschreckt mit