«) Im Aampf gegen die Übermacht
Roman von Bernt Lie Berechtigte Übersetzung von Mathilde Mann
Er ward zum erstenmal so ärgerlich, daß er sie stehen ließ. Er machte Kehrt und ging nach Hause, geradewegs in seine Studierstube.
Beim Abendbrot war er stumm und begab sich gleich wieder auf sein Zimmer hinauf. In erregten Gedanken wanderte er dort auf und nieder. Allen Ernstes faßte er den Entschluß, sein Verhältnis zu Jungfer Thorborg sonnenklar zu legen, sich offen und ehrlich loszusagen von all ihrem Leichtsinn und ihren frivolen Anschauungen über die ernstesten Dinge im Leben, — die anzuhören uud sogar scheinbar zu billigen er sich aus Feigheit und Schlaffheit hatte verlocken lassen . . .
Zur Schlafenzeit hörte er sie in ihre Kammer kommen. Er setzte sich hin, nahm Feder und Tinte und fing an, niederzuschreiben — so wie eine Predigt —, was er ihr sagen wollte. Es war das Nichtigste, sich von vornherein klar darüber zu sein, denn es war nicht leicht, mit ihr zu diskutieren. Vielleicht würde es geraten sein, ihr das Ganze als Brief zukommen zu lassen; er konnte ihn für sie hinterlassen, wenn er morgen nach Sandövär fuhr. . .
Da knarrte — in der nächtlichen Stille — seine Stubentür. Er zuckte zusammen, so daß sich die Kopfhaut unter den Haarwurzeln schrumpfte.
Thorborg steckte den Kopf herein.
„Erlauben Sie?"
Er erhob sich und ging ihr entgegen — ganz verwirrt. . . „Liebe Jungfer — bitte schön. . ."
Sie glitt hastig und lautlos an ihm vorüber und setzte sich in den Lehnstuhl am Tisch. Sie war in einen Nadmantel gehüllt, den sie unter dem Kinn zusammenhielt.
„Ich finde keine Ruhe, ehe ich Ihnen eins gesagt habe," begann sie flehentlich- „Ich will Sie auch nicht lange stören."
Er setzte sich ihr gegenüber an den Tisch.
„Wenn Sie etwas auf dem Herzen haben, Jungfer Thorborg, so Nüssen Sie ja, daß ich Sie gern anhöreI"
Sie saß eine Weile schweigend da, mit geschlossenen Augen. Endlich sah sie zu ihm auf und flüsterte:
„Hat Ihnen irgend jemand erzählt, wer ich bin?"
„Wer — Sie — sind?"
„Was für eine Art Mensch ich bin — meiner Geburt nach?" „Soweit ich mich entsinnen kann, hat mir niemand etwas über Sie erzählt," sagte er iu höchster Verwunderung.