Beitrag 
Die große Politik und der Zustand Indiens
Seite
441
Einzelbild herunterladen
 

Lin Lreundesgruß an Paul Lzeyse

441

des Gouverneurs von Indien nicht mehr in Frage. Kitchener ist am 24. Juni 1850 geboren und als Jüngling zum Soldaten erzogen. Schon 1870 riß es ihn fort, als Freiwilliger im französischen Heere zu kämpfen. Er wählte später das Jngenieurkorps und kam in solchem Beruf nach Palästina, Armenien und Ägypten. 1882 trat er in den ägyptischen Dienst über; der Krieg gegen den Mahdi gab ihm Gelegenheit, sich auszuzeichnen. 1892 wurde er Oberbefehls­haber des ägyptischen Heeres. In dieser Stellung ging er mit größter Behut­samkeit vor. Aber schließlich erreichte er durch einen Hauptschlag seinen Zweck, indem er 1898 das Heer der Derwische bei Omdurmau vernichtete. Bald darauf war er als Generalstabschef des Lords Roberts am Burenkriege ehrenvoll beteiligt. Von 1902 bis zum August 1909 war er Oberbefehlshaber der indischen Truppen. Kriege hat er nicht 'zu führen gehabt; sein Verdienst ist die starke Organisation der Verteidigung, die Einführung der Dezentralisation ^in der militärischen Verwaltung und die Ausbildung und straffe Disziplinierung des Heeres. Er führte seine Aufgaben so kraftvoll durch, daß er sogar mit dem gleichfalls hochverdienten Vizekönig Lord Eurzon in Konflikt kam, wobei dieser ihm weichen mußte. Als er im August vorigen Jahres sein Amt ehrenvoll verließ, feierte der von der liberalen Regierung eingesetzte Vizekönig Lord Minto seine Verdienste. Jetzt scheint er selber das Amt des höchsten Vertreters Englands übernehmen zu sollen.

(An jreundesgruß an Paul Heyse

von Wilhelm Speck

N m 15. März wird das Dichterhaus in der Luisenstraße zu München, W das ich immer nur in einem stillen Frieden habe ruhen sehn, W gewiß von vielein Leben erfüllt sein. Gäste werden von nah und fern kommen, Sträuße und Lorbeerkränze wird man hineintragen, ^ uud der Dichter wird das alles, was über ihn kommt, mit freund­lichem Lächeln und in schöner Geduld über sich ergehn lassen. Doch ^werden ihn innerlich wohl sehr verschiedenartige Gefühle bewegen: Freude uud Wehmut, Genugtuung, das achtzigste Lebensjahr in so guter Verfassung erreicht zu haben, und Verdruß, daß es so schnell geschehn, wo es doch gar nicht geeilt hätte, Dankbarkeit, so viele liebe und werte Menschen bei sich zu sehn, und ein heimlich Gelüsten, sich mit seinen Lieben auf irgendeine ferne Insel zu flüchten. Über dem allen aber eine männliche Entschlossenheit, sein berühmtes „Dulde, gedulde

Grenzboten I 1910 56