Maßgebliches und Unmaßgebliches
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„Finden Sie denn, daß ich sonst nicht — so recht ein — Mann bin?"
„Ja," sagte sie ganz begeistert, „das finde ich ja gerade!"
Sie sah ihn so an, daß er fühlte, wie er unter ihrem Blick errötete.--
Das Fjord-Ende bekam sein Schulhaus.
Aber seit jenem Tage war Jungfer Thorborg des Pfarrers feste Ratgeberin. Er kam jedesmal zu ihr, wenn er meinte, daß er ihrer Kenntnis von Menschen und Verhältnissen bedürfte. Und das war immer häufiger der Fall, je mehr sie ihm mit ihrem hellen, schnellen Verstand und ihrem klaren Blick behilflich war.
Als nun die Tage länger wurden, lernte er das Schneeschuhlaufen von ihr. Und Jungfer Thorborgs Lachen erklang auf den winterlichen Vergabhängen — wenn ihr geistlicher Lehrling kopfüber in den Schnee purzelte, oder wenn sie fand, daß er zu dumme Fragen stellte und der Verschlagenheit der Welt gegenüber zu arglos,, zu wenig mißtrauisch war.
(Fortsetzung folgt.)
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Reichsspiegel Berlin, 27. Februar 1910.
(Der Tod des Reichstagsprästdenteu. Reichstagsverhandlungen. Die Beschlüsse der Wahlrechtskommission. Die Landwirtschaftswoche. Graf Aehrenthal in Berlin. Osterreich, Ungarn, Rußland und der nahe Orient.)
An demselben Tage, an dem wir unsere letzte Betrachtung abschlössen, hat der deutsche Reichstag einen schweren Verlust erlitten-, der Präsident Graf Udo zu Stolberg-Wernigerode erlag der Krankheit, die ihn schon seit längerer Zeit gefesselt hielt. Auch die politischen Gegner dieses trefflichen, hochgesinnten und aufrechten Mannes scharten sich schmerzbewegt um seine Bahre- auch für sie war er der Mann, der die Achtung und das Vertrauen aller besaß, und wenn sie ihn bekämpfen mußten, war es nie die Person, der sie entgegentraten. Graf Stolberg hatte vielleicht Vorgänger auf dem Präsidentenstuhl, die dm nicht selten schwierigen Situationen kaltblütiger und gewandter gegenüberstanden, aber an Unparteilichkeit und vornehmer Liebenswürdigkeit konnte er von niemand übertroffen werden. Wie er einst als junger Offizier auf dem Schlachtfeld für Deutschlands Einheit geblutet hat, so hat er als Beamter in hohen Vertrauensstellungen furchtlos und treu für sein Vaterland gewirkt; so hat er sich in seiner parlamentarischen Tätigkeit als charaktervoller Vertreter unabhängiger Überzeugungen bewährt. Mitten aus seiner verantwortungsvollen und segensreichen Amtstätigkeit hat ihn der Tod abgerufen; unter den jetzigen schwierigen Verhältnissen wird es besonders schwer sein, ihn zu ersetzen.
Der Reichstag ist jetzt in der Etatsberatung zum Etat des Reichsamts des Innern vorgeschritten. Es ist das bekanntlich in jedem Jahre die gefährlichste Klippe für den rechtzeitigen Abschluß des Etats. In den vorhergehenden Debatten Grenzboten I 1910 64