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Zum siebzigsten Geburtstage Otto Liebmanns
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Hellas und Wilamowitz

Weltwanderung" würde man, wenn man ein jedes einzeln nimmt, sagen können, daß es philosophischen Charakter trage: man nehme z. B. das innige GedichtWaldrätsel", voll zartesten Naturgefühls, oder das GedichtWittekind", das uns das Ende der Sachsenkriege miterleben läßt. Nimmt man freilich das Buch, in dein sie stehen, als Ganzes, und versteht man es als Weltwanderung, so werden auch diese Gedichte durch den Zusammenhang, in den sie eingefügt sind, philosophisch bedeutungsvoll, uud sie gewinnen die eigentümliche Bedeutung, die sie an ihrem Orte haben, gerade durch ihre ungebrochene Unmittelbarkeit, gerade durch die Abwesenheit der Reflexion. Gegen Schluß steigert sich die Weltwanderung" zu gewaltigen Hymnen auf die höchsten Lebenswerte. Vernunft und Liebe, die wir als die letzte und höchste Aufgabe des Philosophen kennen gelernt haben, sind auch das größte Thema des Dichters Liebmann.

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Hellas und Wilamowitz

von Kurt Hildebrandt

! nter unseren bedeutenden klassischen Philologen sind nur sehr wenige, die es nicht verschmähen, auch auf einen weiteren Kreis von Laien zu wirken und die klassische Kunst in der heutigen Gesellschaft zu beleben, v. Wilamowitz-Moellendorff ist einer der wenigeu, die l deu Willen und das Talent zu einer solchen Wirkung haben. Ob seine Wirkung in der Richtung einer von uns erhofften geistigen Kultur liegt, das ist eine Frage, die wir nicht bejahen zu können glauben, trotz aller Zu­stimmung, die Wilamowitz aus Kreiseu der nicht nachprüfenden oder kritiklosen Laienwelt zum Teil erfahren hat.*)

Verwerflich scheint mir schon das Programm des Wilamowitz in seinen Übersetzungen griechischer Tragödien:Meine Übersetzung will mindestens so verständlich sein, wie den Athenern das Original war; womöglich uoch leichter verständlich." Die Athener empfanden den Stil.des Aischylos als dunkel, erhaben und hart. Aber das ist nicht der Geschmack des Wilamowitz, er findet ja, daß Danteetwas Barbarisches" an sich trägt. Unsere größten

*) In demJahrbuch für die geistige Bewegung," Verlag der Blätter für die Kunst, Ausgabestelle: Otto ti. Holten, Berlin, das in kurzem erscheinen wird, habe ich mich über diese Frage ausführlich ausgesprochen. An dieser Stelle kommt es mir bor allem auf eine kurze Zusammenfassung leitender Gesichtspunkte an, sowie auf eine gedrängte Übersicht über die be­denklichsten Fehler, soweit sie mir für einen unbefangenen Beurteiler unbestreitbar zu sein scheinen.