) Im Aampf gegen die Übermacht
Roman von Bernt Tie Berechtigte Übersetzung von Mathilde Mann
(Fortsetzung.)
Das Eßzimmer lag auf der andern Seite der Diele. Zwei mächtige Tische waren in der ganzen Länge des Saals mit schimmerndem Damast gedeckt und mit blanken Kandelabern bestellt. Es währte eine unendliche Zeit, bis die ganze zahlreiche Gesellschaft Platz genommen hatte i endlose Streitigkeiten an den Türen und schließlich bei jedem Stuhl, wer dein Range nach vorangehen sollte, — erst zwischen den Damen, dann dieselbe Komödie zwischen den Männern. Endlich saß jeder auf seinein Platz, und unter tiefem Schweigen erschienen die Mädchen mit mächtigen Bratenschüsseln aus der .Küche. Französischer Rotwein wurde in die Gläser geschenkt, und Herr Willatz hieß seine Gäste an der Tafel willkommen. Dann hieben Messer und Gabeln auf die Teller ein; leere Schüsseln wurden hinausgetragen, gefüllte kamen wieder herein, geleerte Flaschen wurden weggenommen, neue an ihre Stelle gesetzt. Und allmählich erwachten die Unterhaltungen; man stieß mit seinen Nachbarn an, trank seinem Visavis zu und endlich auch denen, die »veiter entfernt saßen, indem man sie mit immer stärkerer Stimme anrief. Das Geplauder stieg und breitete sich von den Nachbarn über den ganzen Tisch aus. Immer lauter wurden die Namen gerufeu, bald von dem einen Tisch, bald von dem andern. Herr Willatz, der am oberen Ende der Tafel saß, führte mit Stentorstimme an. Gelächter und Rufe kreuzten einander, es brauste von Gesprächen an den Tischen entlang, und Gabeln und Messer hieben ein, während Schüsseln und Flaschen in nicht endenwollendem Zug aus der Küche kamen und die Mädchen rotglühend in ihren weißen Schürzen umherliefen.
Sören Römer sah und hörte das Ganze wie durch einen wallenden Nebel. Er war jetzt so müde, daß er kaum mehr zu essen vermochte. Man hatte ihm seinen Platz ganz oben neben der Bischöfin angewiesen und nun kämpfte er angestrengt, um sich wach zu halten und zu antworten, wenn er angeredet oder mit erhobenem Glase angerufen wurde.
„Nun, ich denke, Madame Steenbuks Rippenbraten mundet Ihnen!" sagte die Bischösin freundlich. „Das ist doch etwas anderes als Schiffskost und Postschenkenessen!"
Eine Weile später beugte sie sich ganz zu ihm hinüber und flüsterte: „Aber wenn ich recht sehe, so ist da noch etwas anderes, was Ihnen noch besser schmecken soll, Herr Pastor." „Frau Bischöfin meinen ...?"