Parität
von einem Katholiken
on der Zentrmuspartei wird bei den Beratungen des Kulturctats fortwährend Klage über ungenügende Berücksichtigung der Katholiken im Staatsdienste geführt. Trotzdem genügend Katholiken in den untersten Staatsstellen vorhanden seien, rückten sie nur äußerst langsam in höhere Stellen auf. Kein Minister, kein Staatssekretär gehörten der katholischen Religion an; geflissentlich scheide man die Katholiken von den leitenden Stellen der Provinzial- nnd Bezirksverwaltuug aus. Vom Ministertisch ertönt fast immer die Antwort, eine Auslese der Beamten nach konfessionellen Gesichtspunkten fände nicht statt, nur die Tüchtigkeit entscheide, mitunter fehle es auch an katholischen Anwärtern. Dem stimmen die Redner der anderen Parteien bei. Auch die Presse von der äußersten Rechten bis zur äußersten Linken ist einig in Verwerfung der Zentrumsklagen, die wenig ersprießlich zur Förderung des konfessionellen Friedens seien. Wie liegt die Sache? Wo liegt die Wahrheit?
Von den europäischen Großstaaten hat das Deutsche Reich allem eine protestantische Mehrheit mit einer starken katholischen Minderheit (1906: 37648852 : 22109644).
Als Kurbrandenburg das Luthertum anuahm, war seine Bedeutung gering. Erst mit dem persönlichen übertritt von Johann Sigismund zum Calvinismus (1613) uud besonders seit dem Großen Kurfürsten fing Brandenburg an, in der europäischen Politik etwas zu bedeuten. Die Bewohner des neuerworbenen Herzogtums Cleve (1609) wäre» meist Katholiken, an solchen fehlte es auch uicht in Ostpreußen, in den ehemaligen Hochstiften Minden, Halberstadt und Grcnzbvte» I 1V10 3t