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Deutsche Politik in Österreich
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Deutsche Politik in Österreich

von vl-, Michael Hämisch

er Reichsdeutsche, der Österreich entweder nicht oder doch nur von Sommeransslügen ins Hochgebirge kennt, vermag sich in der Regel in den politischen Verhältnissen der Donaumonarchie nicht zurecht zu fiudeu. Stammt er nicht gerade aus dem Nordosten Deutschlands, so bringt er den: nationalen Kampfe der Dentschösterreicher nur wenig Verständnis entgegen und ist geneigt, die Kämpfe nm die nationale Existenz und um eine Organisation des Staates, die den nationalen Bestrebungen ihrer Bewohner leidlich gerecht wird, in Kategorien zn bringen, die aus dem politischen Leben der westeuropäischen, national einheitlichen Staaten gewonnen wurden. So bemühte ich mich einmal vergebens, einem Frankfurter Kaufmann, mit dem ich in einem Amsterdamer Hotel speiste, die Verhältnisse Österreichs zu erklären. Er blieb bei seiner Meinung, alle Übel kämen daher, daß wir in Osterreich zn wenig Freiheit hätten.

Indes wird, und das sei zur Entschnldiguug der Reichsdeutschen angeführt, das Verständnis deutsch-österreichischer Politik sehr wesentlich dadurch erschwert, daß diese bis vor knrzcm eines einheitlichen Zuges durchaus entbehrte. Die ältere Generation der deutsch-österreichischen Politiker entstammte einer Zeit, die mit Verfassungskämpfen und den Kämpfen zwischen Staat und Kirche erfüllt war, und in der die nichtdeutschen Volksstämme erst langsam zn nationalem Leben zu erwachen begannen. Diese ältere Generation der deutsch-österreichischen Politiker war demnach liberal nnd demokratisch oder konservativ und klerikal. Erst die Not hat nach und nach aber sicher immer weitere Kreise des deutsch­österreichischen Volkes mit nationalem Bewußtsein erfüllt. Die Zeit, in der Grenzboten I 1910 25