Maßgebliches und Unmaßgebliches
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das mehr galt, als was der fliehende Tag und die wandernden Nächte geben können. — etwas, nach dem hin er unverrückbar schritt . . .
Ich fand kein Wort; denn er schien mir mit seinein Schicksal so gewachsen, daß er mir fast fremd ward.
Die schlichte Grösze dieser Seele, in der etwas von der heiligen Gesetzmäßigkeit der Natur lag, hatte ich nicht geahnt in dem einfachen Mann des Volkes, der ein geringes Amt übte, in strenger Art, wortkarg nnd unscheinbar.
Und sie erschütterte mich, also daß Gedanken und Gefühle in ein starkes Bewegen kamen und ich sie nicht in feste Worte fassen konnte.
Ich drückte ihm still die Hand — er grüßte und ging den Höhenweg empor.
Der Mond stand flimmernd gegen die finstern Tannen, daß die wandernde, hohe Gestalt sich von ihnen abhob und wie mit feinen Linien umleuchtet war . . .
Ich stand und starrte ihm nach. Das war nicht mehr der Bote Förster — die Gestalt wuchs ins Unpersönliche — sie erschien mir wie die eherne, gewaltig schreitende Pflicht: eine heldische Gestalt, vom Schicksal gemeißelt, mit großen tragischen Zügen, die dem sonnigen Glück der flüchtigen Tage vorüberwandcrt und den kummervollen Nächten, und die am Weg hinter sich die Sorge, die Selbstsucht und alle neidischen, kleinen Geister läßt.
Durch Graus und Gnaden aller Wetter schreitet sie dahin; die einzige, die reuelvs ist und die zu jenen Höhen dringt, wo der leuchtende Königsreif des Friedens ruht.
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Reichsspiegel Berlin, 23. Januar 1910.
Das Hcmptcreignis der Woche auf innerpvlitischem Gebiete ist die entschiedene Stellnngnahme des Reichskanzlers zur Polenfrage. Zwar wird niemand, der sich ein einigermaßen nüchternes Urteil über Personen und Verhältnisse bewahrt hat, auch nur einen Augenblick wirklich geglaubt haben, Herr v. Bethmann Hollweg werde als Reichskanzler und Ministerpräsident verleugnen, was er als preußischer Minister des Innern und als Vizepräsident des Staatsministerinms verfochten hat. Immerhin ist es nach den politischen Wirbelstürmen des Jahres 1909 nützlich und notwendig, wenn der neue Herr an der verantwortlichen Stelle für die Reichspolitik und die preußische Staatspolitik persönlich hervortritt nnd mit ausdrücklichen Worten die hier und da schon wild wuchernde Illusion zerstört, als sei ans verschiedenen wichtigen Gebieten der Staatskunst eine Kursänderung zu erwarten. Leute, die aus alleu möglichen, zum Teil recht nebensächlichen und äußerlichen Erscheinungen der Parteipolitik den Stoff zu den verwegensten Kombinationen entnehmen, kvnuteu vielleicht glauben, der Reichskanzler werde, um sich dem Zentrum gegenüber keine Schwierigkeiten zu schaffen, bestimmten Erklärungen über die Polenpolitik ausweichen. Ernsthafte Beurteiler durften solche Erwartungen nicht hegen. Also daß Herr v. Bethmann Hollwcg keinen Zweifel Grenzboten l 19tv 24