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Ernst Moritz Arndt :
(zum 29. Januar, seinem fünfzigsten Todestage)
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Der Geschäftsbetrieb der preußischen Verwaltung

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und Innerste dieses treuen, schlichten Mannes.Der Rhein, Deutschlands Strom, nicht Deutschlands Grenze", liest man dort, und weiter:Der Gott, der Eisen wachsen ließ, der wollte keine Knechte".

Der Geschäftsbetrieb der preußischen Verwaltung

ls allgemeine Krankheitserscheinung heben die Kritiker") vor allem hervor, daß sich die Geschäfte bei allen Behörden, von den Ministerien bis hinunter zu den Landratsämtern und noch weiter ins Un­gemessene vermehrt hätten uud bei den größern Behörden ganz unübersehbar geworden seien. Oder man spricht davon, daß die Verwaltung immer verwickelter, unklarer und schwerfälliger und ihre Handhabung immer schmieriger werde. In diesen Zusammenhang gehört auch das, was von Massow die Souveränität der Bureaukratie nennt. Er versteht darnnter die Herrschaft der Ministerialräte. Unsre Könige sührten jetzt die laufende Verwaltung nicht mehr selbst, wie Friedrich Wilhelm der Erste und Friedrich der Große, sondern die Minister, oder vielmehr, da diese und auch ihre un­mittelbaren Vertreter, die Unterstaatssekretäre und die Ministerialdirektoren, eine Überfülle von Amtspflichten zu tragen hätten, die Ministerialräte. Diese, die unabsetzbar seien und ineist endlos lange in ihren Stellungen blieben, seien zwar theoretisch ohne Machtbefugnisse und nur die Vollstrecker der Befehle des Chefs, tatsächlich aber die wirkliche,: und alleinigen Herrscher des Landes.

Das alles ist gewiß richtig. Aber man kaun der Verwaltung selbst daraus keinen Vorwurf machen, denn es beruht auf eitler, übrigens auch von Lotz und Graf Hue de Grais geschilderten völligen Änderung der Grundlagen unsres Staatslebens, die etwa in der Mitte des vorigen Jahrhunderts langsam beginnt und im letzten Viertel schnell zunimmt. Sie ist bezeichnet durch die Umwandlung der unbeschränkten Monarchie in einen Verfassnngsstaat, die Gründung des Reichs unter preußischer Führung, die Vergrößerung des Staatsgebiets um drei große Proviuzeu und die durch diese Ereignisse veranlaßte reiche Entfaltung Msres öffentlichen Lebens, die gewaltige Zunahme der Bevölkerung, die unerhörte Entwicklung unsrer Volkswirtschaft uud des Verkehrs, die damit in Verbindung stehende allmähliche Überwindung des Agrarstaats durch den Industriestaat, kurz, durch eiue Reihe tief einschneidender Umwälzungen, die vermehrte Bedürfnisse

") Vgl. Die Not der Preuß. Verwaltung.Grenzboten" 1910. H. 3.