Beitrag 
Die Barbarina
Seite
75
Einzelbild herunterladen
 

Philipp Zorn und die Haagcr Friedenskonferenzen

75

Gedanken geradezu verwirrt und in eine schreckliche Unsicherheit versetzt. Indessen habe ich gestern erfahren, daß Ew. Majestät uns einer neuen Gunstbezeigung gewürdigt haben, indem Sie durch den Kämmerer Fredersdorf der Barbarina eröffnen ließen, daß Sie niemals eine Verbindung meines Sohnes mit ihr zugeben würden, daß die­selbe sich nicht mit der Hoffnung auf Ew. Majestät königlichen Schutz schmeicheln, daß sie vielmehr ein Land verlassen sollte, wo sie nur Unheil stiftete. Diese Nachricht hat mich zu solchem Danke verpflichtet, daß, solange ich lebe, mein Herz dessen voll sein wird. Hätte ich tausend Leben und gehörte ich einem andern Geschlecht cm, ich würde dieselben nur im Dienste eines Monarchen verwenden Wolleu, der so gütig, der so im wahren Sinne der Vater seiner Untertanen ist. Indem Ew. Majestät sich herablassen, flch mit den Angelegenheiten unserer Familie zu befassen, wolle Ihre Güte nur nicht ermüden, meinen unglücklichen Sohn, wenn es noch ein Mittel zu seiner Rettung gibt, trotz seiner UnWürdigkeit zu retten I Wenn Ew. Majestät ihm vielleicht durch einen Ihrer Sekretäre schreiben ließe, daß die Barbarina die königliche Genehmigung zu einer Verbindung mit ihm nachgesucht habe, daß aber, da Sie ihn unmöglich eines so niedrigen Gedankens fähig hielten, noch ihm zutrauten, er würde durch eine so unwürdige Handlung seinen Vater nuter die Erde bringen wollen, Ew. Majestät ihr befohlen habe, die preußischen Lande zu vorlassen, ihn aber vor dein wahnsinnigen Einfall, ihr etwa zu folgen, warne, daß, sollte er sich ja soweit vergessen, Ew. Majestät ihn, in welchem Winkel Europas er sich auch verborgen hielte, als Ihren Untertan reklamieren würden, daß aber, falls auch dies nicht seine Ansicht wäre und er zu seiner Pflicht zurückkehrte, Ew. Majestät ihm in Rücksicht auf seine Talente die Gnade erweisen wollten, das Geschehene zu vergessen und ihn mit seinem Vater zu versöhnen! Indessen, Sire, meine Hand zittert, indem ich diese Bitte niederschreibe. Meine mütterliche Zärtlichkeit macht mich blind. Wie hätte ich sonst die Kühnheit, meinem Könige dergleichen Vor­schläge zu machen? Allein. Sire, alles, was ich besitze, verdanke ich der Großmut Ihres erlauchte» HauseS. Der hochselige König hat das Glück meines Vaters. Ew. Majestät haben das meines Gatten begründet und uns mit Gnaden überhäuft. Die Gnade, meinen Sohn von seiner wahnsinnigen Leidenschaft zu heilen, wird größer als alle die andern sein. Schon zwei Posttage warte ich vergeblich auf Briefe von meinem Gatten, der sonst keine Gelegenheit, mir zu schreiben, vorübergehen läßt. Wenn er nicht etwa krank ist, so erhalten Ew. Majestät sicherlich ein von seinem Zorn ihm ein­gegebenes Schreiben. Sire, vergeben Sie ihm die Aufwallungen des Augenblicks! Trotz alledem bleibt er doch immer Vater. Ich bin usw.

Berlin, 1. August 174!). von Cocceji, geb. von Beschefer."

Philipp Zorn und die haager Friedenskonferenzen

von Hans Ivehberg-Düsseldorf

m 13. Januar vollendet Professor Philipp Zorn in Bonn, Kron- syndilns und Mitglied des Herrenhauses, sein sechzigstes Lebens­jahr. Horns Tätigkeit in den letzten 10 Jahren war haupt­sächlich der Fortentwicklung des Völkerrechts, jener großen, zu­kunftsreichen, in Deutschland uoch allzu wenig gewürdigten Disziplin des öffentlichen Rechts, gewidmet. An der ersten Haager Friedens­konferenz von 1899 ebenso wie an der zweiten von 1907 hat Zorn als Delegierter des Deutschen Reiches teilgenommen und namentlich im Jahre 1899 einen