Contribution 
Die Literatur Osteuropas
Page
557
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

Neue Ziele des psychologischen Romans in Amerika

557

Amelangschen Bände zu einem Bande. Die dort nicht weiter auffallende Isolierung der einzelnen Darstellungen aber wird hier, auf dem kleinen Raume, zu einem übel empfundnen Nachteil; denn dem Leser dieser knappen Zusammen­fassungen liegt nicht so sehr daran, sich einen Begriff von den einzelnen Literaturen zu machen dazu genügt auch das Konversationslexikon, als vielmehr daran, das Gewebe der Entwicklung und Einwirkungen zu durch­schauen, das diese Literaturen bilden. Von der jetzt vorliegenden Darstellung gilt Goethes Wort:Dann hat er die Teile in seiner Hand, fehlt leider nur das geistige Band!" Die Herstellung dieses geistigen Bandes aber sollte doch gerade die Aufgabe solcher Monographien sein. So dankenswert also auch die Zusammenfassung der hier vereinigten Literaturen für die Erkenntnis jeder einzelnen ist, so wünschenswert wäre eine wirklich innerliche Zusammenfassung unter dem Gesichtspunkt der Totalität, eine Vereinigung des Einzelnen unter dem Begriffe des Ganzen, nichts Auseinanderfallendes, sondern etwas Fest­ineinandergefügtes. Erst so würde ein wirklich historisches Verständnis möglich.

Neue Ziele des psychologischen Romans in Amerika

jüngst erschien in Newyork eine Geschichte der amerikanischen Philosophie von Dr. I. Woodbridge Riley, ein enthusiastisch geschriebnes Werk, das als wertvolles Hilfsmittel zum Ver­ständnis des amerikanischen Volksgeistes zu begrüßen ist. Der I Verfasser führt den Leser durch die frühen Philosophenschulen und macht ihn mit Persönlichkeiten wie Cotton Mather, Benjamin Franklin und vor allem Jonathan Edwards vertraut, deren wichtige Mission im Geistes­leben der Vereinigten Staaten zwar unbestritten ist, die aber auch dem Ge­bildeten mehr dem Namen als dem Wesen nach bekannt sind.

Im weitesten Sinne aber ist dieses Buch ein Protest der Ausdruck einer Reaktion gegen die allzulaute Anerkennung Europas, das im staunenden Betrachten der unerschöpflichen Hilfsquellen, der gewaltigen Industrie Amerikas dessen Bedeutung für das Geistesleben der zivilisierten Welt zu vergessen scheint. Daß sein Vaterland auch auf diesem Gebiet eine bevorzugte Stellung einnimmt, sucht Riley nachzuweisen; der kühnste Denker Neuenglands, Emerson, ist dabei noch nicht mit hineingenommen, sondern soll erst in einem spätern Bande gewürdigt werden.

Ob das vorliegende Werk mit seiner Betonung idealer Lebenswerte gegen­über der immer mehr um sich greifenden materialistischen Weltanschauung in weiten Kreisen Widerhall finden wird, bleibt abzuwarten. Die räumliche Grenzboten IV 1908 71