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Maßgebliches und Unmaßgebliches
hatte er noch bei sich und dachte: ich will ein Zeichen machen/ und riß sich seine silberne Schärpe ab und band sie um die große Kiefer, die bei der Stelle war, und dann fiel er hintenüber und war tot. Von seinen Leuten einer, der hatte es gesehen, der konnte noch auf die Füße kommen und machte sich fort und hat dann davon erzählt. Aber am selben Abend lagen die Feinde dort im Biwak und wußten nicht, was die silberne Schärpe da sollte, und eiu Liederjahn steckte sie heimlich eiu. . . .
Und nun weiß keiner, wo es liegt, das viele Geld, und vielleicht liegt es hier unter der Treppe...
Da schauerten alle heimlich zusammen wie ich, und alle hielt sein Märchenton gefangen, sie saßen da mit stillen glänzenden Auge» und lauschten diesem Tone nach. —
Seit jenem Abend glaubte ich an die Kriegskasse felsenfest, nnd heute, da mir das vertraute, geheimnisvolle Wort wieder begegnet ist, spinnt mich sein Zauber wieder ein, und niir will scheinen, ich glaube noch daran.
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Reichsspiegel Berlin. 29. November 1909
(Regierung und Liberale. — Hände weg! — Frankreich in Marokko.)
Die letzte Woche vor dem Beginn der neuen Reichstagssession hat recht wenig Erfreuliches gebracht. Sogar die gewiß bescheidnen Hoffnungen auf die Wahlen in Halle blieben unerfüllt. Etwas andres war auch kaum vorauszusehen. Regierung und Parteien haben gleich wenig getan, um die Besserung anzubahnen. Die Regierung hat ihre beobachtende Haltung beibehalten, die bürgerlichen Parteien fahren fort, einander zu zerfleischen, und die Sozialdemokraten gewinnen sich einen Sitz nach dem andern. Der politische Zersetzungsprozeß, der bei dem stagnierenden Parteileben über kurz oder lang eintreten mußte, hat begonnen. Die Meinungen über die Bedeutung der sozinldemokratischen Siege gehn vielfach auseinander. Die Konservativen suchen daraus Schreckmittel für die Besitzenden zu machen, und ein Teil der Nationalliberalen stimmt mit ihnen überein. Die Linksliberalen sehen dagegen in den Wahlergebnissen lediglich die logische Folge früherer Vorgänge. Auch wir glauben in dem Anschwellen der roten Flut lediglich eine allerdings unangenehme aber verständliche Notwendigkeit erkennen zu sollen. Freilich können wir die Unterstützung der Sozialdemokratie durch Liberale nicht ohne weiteres gutheißen. Das gilt besonders für die Einzelwahlen, die bis zur nächste» Neichstagsauflösung allein in Frage kommen. Wären neue allgemeine Wahlen mit einer agrar-konservativen Devise angeordnet worden, dann läge die Sache anders. Dann wäre ein flammender Protest am Platze und hätte anch Erfolg. Heute, wo das Verhalten der Regierung jedem Einsichtigen zeigt, daß sie nicht gesonnen ist, ohne weiteres agrar-konservativc Politik zu treiben, stellt die Unterstützung der Sozialdemokratie eine Gefahr für den Einfluß der liberalen Parteien auf Jahrzehnte hinaus dar.
Immerhin ist die Tatsache da, daß sich die Erbitterung vorwiegend in der Abgabe sozialdemokratischer Stimmzettel Ausdruck verschafft. Von welcher Seite kann Rettung aus diesem Zustande kommen? Optimisten versprechen sich von der Thronrede und von den ersten Erklärungen des Reichskanzlers einige Beruhigung und Märung. Pessimisten dagegen erklären, die dem Bürgertum zuzurechnenden Kreise