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Der Streit um den Zolltarif in Neuguinea
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Raffael in seiner Bedeutung als Architekt

wirkungsvolle Kundgebung erhofft, die zur Aufmerksamkeit auf dieLage der Kolonie, zur gerechten Abwägung des Maßes der aufzubürdenden Lasten und zu einer Reform des Zolltarifs führen sollte. Das Ergebnis war eine ungeschickte und damit von Anfang an aussichtslose persönliche Hetze gegen den Gouverneur.

Da die Urteilsbegründung dem Gouverneur die verlangte Bestätigung seiner sachlichen Darstellung gegeben hatte, fühlte er sich in der Lage, in ver­söhnlicher Weise den frühern Mitgliedern des Gouvernementsrats die Wieder­annahme ihrer Mandate zu empfehlen. Und als dieser Versuch bedauerlicher­weise nur von einem Teil der andern Seite Entgegenkommen fand, entschloß sich der Gouverneur, dem allgemeinen Wunsche Rechnung tragend, einen neuen Gouvernementsrat zu bilden. Er ist aus drei der frühern Mitglieder und vier neuen Herren zusammengesetzt. Die Einberufung des neuen Gouvernements­rats ist auf den 12. August erfolgt. Natürlich wird auch er sich mit der Abwägung der von der Kolonie zu tragenden Steuerlasten zu befassen haben.

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Raffael in seiner Bedeutung als Architekt

von Karl Geh ring

illchdem zwei vorbereitende Bände des Theobald Hofmannschen Werkes in den vorigen Jahren bei Gilbers in Leipzig erschienen waren, ist uns jetzt der dritte Band dieses sehr groß angelegten Werkes geschenkt worden. Seinem Titel nach: 1. Teil, Naffaels ! Werdegang als Architekt; 2. Teil, Naffaels eigne Häuser in Rom, trägt uns der erste Teil in den Kernpunkt der ganzen Frage, die hier auf­gerollt werden soll: Was hat Raffael aus eigner Tiefe in bnukünstlerischer Hinsicht seiner Zeit gegeben, und wie ist seine Tätigkeit als Architekt zu bewerten?

Malerei, Plastik und Architektur gingen in jenen Zeiten noch mehr Hand in Hand als heutzutage, wo doch immerhin auch von emer Beeinflussung der Architekten durch Maler und Kunstgewerbler gesprochen werden kann. Die Malerei ist so viel beweglicher als die in gewisser Beziehung schwerfällige Bau­kunst, der Maler kann mit seinem Pinsel alle möglichen Spielereien seiner Phantasie festhalten, die der Vaukünstler wegen der Kostspieligkeit eines solchen Experiments und der im allgemeinen geringen Anzahl der praktischen Bauauf­gaben nicht mitmachen kann. Daher kommt es denn auch, daß viele Architekten ihr Denken und Fühlen mehr in ihren Entwürfen, Handskizzen und Malereien als in ausgeführten Bauten haben niederlegen müssen. Zur Beurteilung der Persönlichkeit wird man jedenfalls immer diese Blätter mit heranziehen. Wie­viel von ihrer Kunst haben zum Beispiel Männer wie Friedrich Schinkel und Gottfried Semper in ihren Blättern der Nachwelt überliefert! -