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Friedrich Althoff, der preußische Ministerialdirektor : eine psychologische Studie : zur ersten Wiederkehr seines Todestages
(20. Oktober)
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110 von der Gstmarkensahrt süddeutscher Parlamentarier und Journalisten

Mitteln der praktischen Unwiderstehlichkeit, die er solange geübt hatte. Und als ihm klar wurde, daß er wohl nur noch Wochen zu leben habe, traf er in voller Seelenruhe feste Bestimmungen über die möglichste Fortführung seinerBestrebungen uud fand dann, daß auch das bevorstehende Sterben etwas Schönes sei.

Dabei durfte ihm doch wohl auch vorschweben, wie wenig er sein Leben verschwendet habe, wie manches Bedeutende und Dauernde ihm zu leisten ver­gönnt gewesen sei. Übrigens hatte man ihn gelegentlich sehr bestimmt und offenherzig, natürlich auch mit derben Worten, der großen Fehler gedenken hören, die er im Laufe seiner Amtsführung begangen habe; er tröstete sich dafür mit dem Bewußtsein, auch nicht wenig Übles verhindert oder ausgeglichen zu haben, das andre verschuldeten. Er hatte sich nun ausgelebt in einem un­vergleichlich viel bessern Sinne, als so viele Menschen von heute dies zu ihrem Programm machen. Wie oft ihn auch Kraftgefühl oder Kraftüberschuß, ja auch das Bewußtsein seines Machtbereichs zu weit fortriß, er war durch Fleiß und Hingabe das Muster eines Staatsbeamten, während er mit der Selbständigkeit seiner Ideen und der Lebendigkeit seines Wesens immer vielmehr als Ausnahme gelten mußte denn als Vorbild. Auf seine Leistungen selbst sollte in dem gegen­wärtigen Zusammenhang nicht bestimmter die Rede kommen. Es galt nur die Zeichnung der ganz eigenartigen und der Welt weithin bekannt, aber den meisten nie recht klar gewordnen Persönlichkeit. Es galt keinen Panegyrikus: aber bei allem Willen zu ganz objektiver Kennzeichnung muß der Schreibende am Ende doch selbst finden, daß das Licht den Schatten sehr überstrahlt. Und so darf hier zum Schluß um so zuversichtlicher wiederholt werden, was zum Eingang gesagt wurde: die einzelnen müssen dem viel verzeihen können, der für das Ganze viel Gutes getan hat. Und der so dürfen wir getrost fort­fahren mit seinen persönlichsten Eigenschaften unzweifelhaft zu den Guten in der Welt gehörte. Wilhelm Münch

Von der Gstmarkenfahrt süddeutscher Parlamentarier

und Journalisten

Reiseeindrncke von M. Reihlen in Stuttgart

AM

Im Laufe des Tages kamen wir an Gehöften von Ansiedlern aus allen Teilen Deutschlands vorbei, die zum Teil recht verschieden­artig aussahen. Schon in der Umrahmung konnte man da und Idort die Herkunft der Ansiedler erkennen: wo hohe, schnell- ^ wachsende Zierbäume das Haus überschatteten, da brauchte man keinen Schwaben zu suchen; der baut nur Obstbüume und Beerensträucher, diese aber sicher und in Masse, er will seinen Obstgarten ums Haus wie am Neckar.