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Der rote Hahn
lange gebraucht hatten, um ganz typische, nicht für den Verkauf angefertigte Stücke zu erwischen; auch hatte ich mich schon in Kiruna mit den üblichen Preisen bekannt gemacht, erlebte aber zur Ehre der Verkäufer kaum einen Versuch der Übervorteilung.
Mit solcher Beschäftigung und mancherlei Erkundigungen brachte ich die vorgesehene Zeit zu, wobei nur die bitterkalten Nächte einen an die Lage des Ortes gemahnten, während sich bei dem hohen Sonnenstande die Tagesstunden äußerst milde anließen. Unter Benutzung des Schlittens und der primitiven lappischen Skier durchstreifte ich die nähere Umgebung des Lagers, um fleißig Aufnahmen von Menschen und Nenntieren, Gebirge und Waldbüumen zu machen, die hier oft absonderliche Wuchsformen zeigen. Leider erwies sich daheim ein großer Teil der Platten als unbrauchbar, was aber nicht an meiner trefflichen Ernemannschen Spiegelkamera lag, sondern an der Unbekanntschaft mit der ganz andern Lichtwirkung von Schnee und Sonnenstrahlen in dieser hohen Breite, die die photographische Platte viel weniger zu beeinflussen scheinen als etwa in den Hochalpen. Auch eine Fahrt im Renntierschlitten wagte ich, die dank der ungewöhnlichen Lenksamkeit des mir gestellten Zugtieres auch ohne Um-und Unfall verlief. Schließlich war ich aber doch herzlich froh, als ich das ärmliche Quartier im finnischen Blockhause hinter mir lassen konnte, um in eintägiger Fahrt wieder die Kulturstätte Kiruna zu erreichen, wo mich mein behagliches Hotelzimmer mit doppelt empfundner Gastlichkeit aufnahm. Aber schön war er doch, dieser Winterausflug ins Land der Lappen und Nenntiere!
Der rote Hahn
von palle Rosenkrantz. Deutsch von Jda Anders V (Fortsetzung)
Dreizehntes Aapitel. Am folgenden Tage
> er Donnerstag war der Gerichtstag des Städtchens, und Kaj Seyde- witz saß in der Ratsstube und arbeitete an den Dokumenten, nachdem die Gerichtssitzung aufgehoben worden war. Das Zimmer war I groß und recht freundlich. Im Hintergrunde zwei sonnenbeschienene Fenster, und in der Mitte zwischen diesen eine Büste Seiner Majestät des Königs. Zierliche Gardinenstreifen bekränzten die Fenster, und in der Mitte der Decke hing eine altmodische Hängelampenkrone. Quer durch das Zimmer vom Jnnenrande des linken Fensters aus erstreckte sich eine Schranke, die den Richtersitz vom übrigen Zimmer trennte, und hinter diesem stand ein mit grünem Tuch bezogner Tisch. Der Richtersitz selbst bestand aus einem hochlehnigen antiken Stuhl. Das übrige Meublement bildeten ein paar Stühle. Einfach und schlicht, aber gar nicht ungemütlich war das Ganze.