Kunstwart-Arbeit
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>ie Grenzboten haben von jxher die Bestrebungen der von Ferdinand Avenarius begründeten und geleiteten Zeitschrift Der Kunstwart und der daraus hervorgegangnen Unternehmungen mit aufrichtiger Sympathie verfolgt, weil sie in den Kunstwartmitärbeitern tapfere lund erfolgreiche Bundesgenossen im Kampfe gegen alles Ungesunde und Manierierte in Kunst, Schrifttum und Musik, gegen aufdringliche Reklame, kritiklosen.Personenkultus, gegen Auslünderei, Sensätionsschwindel und Banausentum sehen, und weil sie wissen, daß auch ihre eignen Leser zu der großen „Partei der Unparteiischen" gehören, die sich weder im politisches noch im ästhetischen Leben mit Tagesschlagworten einfangen und auf den Wortlaut eines starren Dogmas verpflichten lassen.
Das Erscheinen eines schmucken Büchleins mit dem Titel „Kunstwart- , Arbeit. Eine ^ Übersicht zum praktischen Gebrauch über die von Herdinänd Avenarius begründeten und geleiteten Unternehmungen, mit 516 kleinen Illustrationen" (Georg D. W. Callwcy. München) bietet uns nun willkommnen Anlaß, unsre Leser wieder einmal auf den großartigen publizistischen Organismus hinzuweisen, zu dem sich der im Herbst 1887 als eine „Rundschau über alle Gebiete des Schönen" ins Leben" gerufne Kunstwart im Laufe von uun beinahe zweiundzwanzig Jahren entwickelt hat. Ist es schon erfreulich, über eine planmäßig und mit zäher Ausdauer verrichtete Arbeit zu berichten, mit der sich ein Einzelner oder eine Gruppe von Gleichgesinnten dem Widerstand der trügen Welt zum Trotz um die Verbreitung echter Kultur bemüht haben, so ist es doppelt erfreulich, wenn man, wie in diesem Falle, auf der andern Seite auch eine beträchtliche Summe von Erfolgen buchen darf. "" '
Auch der Kunstwart, der sich heute eine „Hcilbmonatsschäu für Ausdruckskultur auf allen Lebensgebieten" nennt, hat „klein angefangen" und hat sich während des ersten Jahrzehnts seines Bestehens mit sehr wenigen Lesern behelfen müssen, weil er seiner Zeit vorauseilte und Ansichten vertrat, die damals vielfach noch wie Ketzerei klangen, die aber heute Gemeingut der Besten unsers Volkes sind. Man darf der Redaktion das Lob zollen, daß sie ihrem Programm immer treu geblieben ist, und daß sie niemals um geschäftlicher Vorteile willen einer Moderichtung Zugeständnisse gemacht hat. Der Lohn ist nicht ausgeblieben: langsam aber beständig mehrte sich die Zahl der Abonnenten, und vom