Der U)eg zum neuen Block
MM
chon wiederholt ist in unsrer Zeitschrift in verschiedner Form und Auffassung dem Gedanken Ausdruck gegeben worden: der Block muß wiederkommen. Der Gedanke hat schon zu fest Wurzel gefaßt im deutschen Volk, und aus dieser Wurzel werden immer wieder neue Triebe hervorschießen. Männer der verschiedensten Politischen Anschauungen haben diese Überzeugung fast in demselben Augenblick ausgesprochen, als den Gegnern die Sprengung des Blocks geglückt war und die große Menge unter dem Eindruck stand, nun habe der Blockgedanke völlig Schiffbruch gelitten und könne nicht wieder zum Leben erweckt werden. Beinahe mit mitleidiger Überlegenheit standen die hartgesottnen Partcimmmer über den Trümmern der Vülowschen Politik; sie hatten es gleich gesagt, ein solches „Experiment" könne nicht glücken! Und doch regte sich alsbald der Gedanke: Der Block ist tot. es lebe der Block! Wer weiter zu sehen vermag, wird sagen dürfen, daß Fürst Bülow nicht auf ein spätes Urteil der Geschichte zu warten braucht, um sich gerechtfertigt zu sehen. Schon jetzt ist man unter Leuten, die politisch zu denken vermögen, in stets wachsendem Maße der Meinung, daß Fürst Bülow, auch wenn er sonst kein andres Verdienst und keinen andern Erfolg gehabt Hütte, schon durch die klare und entschiedn? Verfechtung der Blockidee und durch den mutigen Versuch, mit diesem Block praktisch zu regieren, einen ehrenvollen Platz unter den bedeutendsten deutschen Staatsmännern verdient hat.
Gegen die Blockpolitik im Sinne Bülows, das heißt gegen das Zusammenwirken von Konservativen und Liberalen in den großen, gemeinsamen Lebensfragen der Nation, wehrt sich zunächst die Einseitigkeit des üblichen Parteigetriebes. Indessen, wie hoch auch der einzelne den Wert und die Bedeutung seiner Partei einschätzen mag — über den Standpunkt politischer Unreife sollten Wir doch längst hinaus sein, als könne ein moderner Staat nach den Wünschen einer einzigen Partei regiert werden. In der Erkenntnis, daß jede Partei, die die Staatsordnung anerkennt, auch ihr Recht im Staatsleben hat, liegt durchaus keine Verleugnung der eignen Überzeugungen. Selbstverständlich
Grenzboten III 1909 57