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Große Berliner Kunstausstellung 1909
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Meine Jugend und die Religion

sache individuelle Menschen zur Darstellung. Der Engländer Whistler hat eine Studie von Cremone Gardens ausgestellt, die aber so sehr in den äußersten Anfängen stecken geblieben ist, daß man mehr ahnt als sieht. Sein Landsmann Charles Ricketts malt ein Skelett als Kunstkritiker. Er scheint kein Freund der Kritik, hat sie aber nicht zu fürchten, denn seine Messaline und sein Don Juan sind in ihrer Art hervorragende Arbeiten. Eine Landschaft von Dauchez (Paris) fesselt durch die feine Wirkung des Lichtes, der Sommer von Gaston la Touche und dessen Spanisches Fest sind Bilder, auf denen koloristische Finessen mit großer Bravour, wenn auch uicht mit strenger Anlehnung an die Natur, versucht wurden. Auch einige Wiener haben sich eingefunden: Egger- Lienz mit einem Totentanz von Anno Neun, ungeschlachte, fast karikierte Bauerngestalten, in rötlich-braunen Tönen gemalt, sehr unwahr und unerfreulich, ohne jeden monumentalen Zug, in demselben Raum aber ein hervorragendes Damenporträt von Adams und das Bildnis eines Mannes von Krausz.

Die Plastik zeigt im ganzen wenig Bemerkenswertes, aber eine Fülle von Mittelgut. Wandschneiders Achilles, Brütts Brunnenfigur, Gasteigers Pferdebändiger ragen durch einen Hauch monumentaler Größe hervor. Viel Antikisierendes ist vorhanden, das aber von der persönlichen Note der Künstler keine Anschauung gibt. Eine Anzahl guter Büsten muß dafür entschädigen.

Von Ludwig Hoffmann sind in einem Zimmer Abbildungen seiner Berliner Bauten ausgestellt, die den großen Zug dieses genialen Architekten zeigen, in einem andern Raum Zeichnungen der Friedenauer Einküchenhüuser von Geßner, von Drescher und Berghoff der Entwurf eines Rathauses für Spandcm, von Brurein der Entwurf eines Bahnhofs für Darmstadt.

Der Verband der Illustratoren bringt in buntem Durcheinander eine Fülle von Gutem und Minderwertigem, übt aber auf die Mehrheit der Besucher durch den stofflichen Inhalt einen nie versagenden Reiz aus.

Gisen träger

Heimat, Es lebte liebe für

Meine Jugend und die Religion

von Ludwig Germerslzeim

(Fortsetzung)

8. heiligendäinmerung, neue Heilige

m diese Zeit lehnten sich mein Verstand und mein Gemüt gegen den Marien- und Alvysiuskult auf, der uns Schülern empfohlen, ans Herz gelegt, anerzogen wurde, je nach unsrer Empfänglichkeit. Ich nahm der Schutzheiligen des Frankenlandes ihre Gleichgiltigkeit gegen die Not der Hexen übel, und der Patron der studierenden - Jugend war mir in tiefster Seele unsympathisch. Sein Name, seine sein Aussehen, sein Leben, alles, was ich von ihm hörte, stieß mich ab. in mir eine tiefe Abneigung gegen alles Romanische, eine mächtige Vor­germanische Körper- und Geistesart. Der bleiche junge Priester Aloysms