362
Uhlcinds Ginfluß auf die Poesie Hebbels
gewählt. Im übrigen war die alte Hansa (vgl. Professor Dr. Richard Mayr in Helmolts Weltgeschichte, Leipzig, 1900) ein innerlich recht loses Gebilde, stark nur, solange die schwach waren, die sie auszunutzen verstand. Der Hansaherrschast waren „lauter Negationen, lauter Abwesenheit von entgegenwirkenden Kräften" förderlich. Sobald der Nordcu politisch erstarkte, war es mit der Macht der Hansa vorbei. Die Hansa war aber auf dem Gebiete der iuueru Politik, wie im Gegensatz zu der Auffassung der Krenzzcituug festzu- stellcu ist, der iu den ober- und mitteldeutschen Städten vertretne Widerstand des Jndnstrialismus, des Kapitalismus und hanseatischen Handels gegen die von den Fürsten und Herren getragne agrarische Reaktion. Der neuen Hansa sagt man nach, sie sei innerlich noch nicht geschlossen, und das ist richtig; sie zieht ihre Kraft nicht, wie die alte Hansa, aus der Schwäche derer, die ihr gegenüberstehn, sondern im Gegenteil, ihre Gegner sind stark, vorläufig noch stärker als sie selbst, und sie muß sich deshalb mit der Stärke, nicht mit der Schwäche messen. Die alte Hansa mag den heimischen Ackerbau nicht ganz nach Gebühr gewürdigt haben, die neue Hansa weiß ihn zu schätzen. Sie kämpft aber ebeuso wie die alte Hansa gegen das Privilegium der ausschließlichen politischen Herrschaft dieser Kreise. Und daß sie dazu ein gutes Recht hat, bedarf nach der jüngsten Rede des Herrn von Heydebrcmd keines Beweises mehr. Die neue Hansa aber mag von der alten eins lernen. Nur der Wille zur Macht kann große Entwürfe zum Siege führen, dem kleinmütig zaudernden und ängstlich wägenden fallen die Früchte nicht in den Schoß; er entreißt so entschlossenen Gegnern, wie sie der Hansabnnd hat, die Fahne nicht. Erfüllt sich die gewerbtreibende Bevölkerung mit diesem Willen, so wird sie die Macht haben, deren sie bedarf, nicht etwa um ihre eigne Herrschaft aufzurichten und das eine Sondervorrecht an die Stelle des andern zu setzen, sondern um mit aller Einseitigkeit der Wirtschaftspolitik aufzuräumen.
Uhlands Einfluß auf die Poesie Hebbels
von Wolfgang Wnstinann
> lles dichterische Schaffen ist zu einem großen Teile nur ein Umbilden. Wie der Dramatiker und der Epiker ihre Stoffe der Sage, der Geschichte, den Chroniken oder in neuerer Zeit der Zeitung, dem Spiegel ihrer eignen Lebenszeit, entnehmen, so I benutzt auch der Lyriker außer den eignen Erlebnissen die verschiedenartigsten Quellen. Daher kann auch die Tatsache, daß ein Lyriker stark von einem lyrischen Vorgänger beeinflnßt worden ist, nichts besondres bieten. Sie wird aber um so interessanter, wenn für den in Stoff, Form