Die Interessen Deutschlands in der Türkei im Vergleich mit denen Frankreichs nnd Englands
Skizze von vi> I. Loytoed 1
cutschland hat von den genannten europäischen Großmächten die jüngsten Beziehungen zu der Türkei.
Während Frankreich bereits im sechzehnten Jahrhundert seine Machtstellung im Orient anbahnte und hundert Jahre später England seine Vorherrschaft auf dem Mittelmeer begründete, fochten die deutschen Staaten ihre innern Kämpfe aus. Erst im Jahre 1761 ist Preußen unter Friedrich dem Großen behufs Abschlusses eines Freundschaftsund Handelsvertrages, der ihm freie Schiffahrt in den türkischen Gewässern, Handelsfreiheit, konsularische Gerichtsbarkeit und das Recht der Meistbegünstigung gewähren sollte, mit der Türkei in Verbindung getreten. Der Zweck dieses Vertrages war hauptsächlich ein politischer. Der große Friedrich wollte sich, Österreich und Rußland zum Trotz, an die Seite der andern Großmächte stellen und mit ihnen an den Fragen der großen Politik, deren Schauplatz damals das Mittelmeerbecken war, teilnehmen. Die Türkei ihrerseits hoffte in Preußen einen Bundesgenossen gegen Österreich zu finden. Die gegenseitigen Beziehungen waren anfangs von geringer Bedeutung, sie entwickelten sich eigentlich erst im Anfang des vorigen Jahrhunderts mit dem Aufblühen der deutschen Industrie, der Zunahme der Verkehrssicherheit und der Vervollkommnung der Verkehrsmittel.
Zur Förderung und Sicherheit der neuen Handelsbeziehungen schloffen die Hansastädte im Jahre 1839 einen Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrag mit der Türkei ab, der durch eine Nachtragskonvention vom Jahre 1841 ergänzt wurde, und dem im Jahre 1862 ein neuer Handelsvertrag folgte. Zugleich vereinbarten im Jahre 1840 Preußen, Bayern, Sachsen,
Grenzboten III 1909 44