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Maßgebliches und Unmaßgebliches
Aber Muhme Rikke hatte keine Ahnung von Sörinens sündiger Sehnsucht und schüttelte nur ihre getollten Haubenbänder in mütterlicher Besorgnis um die beiden in Gefahr schwebenden jungen Männer.
Und so chemisch rein von Erbsünde war Muhme Rtkke, daß sie den jungen Leuten niemals Predigten hielt, sondern auf die Jahre hoffte, die die Augen öffnen.
Seht, das waren also die Stadt, Kaj Seydewitz. der Bürgermeister, Assessor Jensen, Muhme Rilke und Sörine.
(Fortsetzung folgt)
Maßgebliches und Unmaßgebliches
Reichsspiegel Berlin. 25. Juli 1909
(Reisen des Reichskanzlers. Der Parteienstreit. Die Wahl in der Pfalz. Der französische Ministerwechsel.)
Der Sommer mit seiner parlamentarischen Pause ist gekommen und scheint auch diesmal als Brutzeit für politische Gerüchte herhalten zu sollen. Freilich nach den reichlichen Personalveränderungen in den leitenden Stellen ist mit den sonst üblichen Ministerstürzereien und der Konstruktion innerer Krisen vorläufig nichts anzufangen, und man hat sich darum mit angeblichen Reiseplänen des neuen Reichskanzlers beschäftigen zu müssen geglaubt. Daß ihm zunächst vieles andre als gerade Reisepläne näherliegen dürfte, scheint dabei nicht in Betracht gezogen worden zu sein. Die Vermutung, daß er bet gelegner Zeit dem Beispiele seines Vorgängers folgen und sich sowohl den Monarchen des Dreibunds persönlich vorstellen als auch mit ihren leitenden Ministern in mündlichen Verkehr treten werde, liegt bei der intimen Natur des Bündnisses zu nahe, als daß man damit etwas neues sagen oder auch der Wahrheit zu nahetreten würde. Aber die Angabe eines bestimmten Zeitpunkts war mindestens überflüssig, und die etwaige Absicht, ein Dementi zu erzielen, um daraufhin der Wahrheit näherzukommen, hätte keinen rechten Zweck gehabt, da diese Besuche und Begegnungen nichts weniger als dringlich, am wenigsten durch die Lage der auswärtigen Verhältnisse geboten sind. Überdies dürften auch die Besuche an den deutschen Fürstenhöfen, wenigstens bei der Mehrzahl, vorher in Frage kommen, obgleich es auch damit keine besondre Eile hat.
Es ist zu hoffen und wäre wenigstens zu wünschen, daß der parteipolitische Streit über die Finanzreform unter den bürgerlichen Parteien aufhören möge, damit sich zum vaterländischen Wohle die von beiden Seiten ausgeteilten und auch auf beiden erlittnen Wunden wieder schließen könnten. Das liegt auch unzweifelhaft in der Absicht des Fürsten Bülow, der sich in den zahlreichen Antworten auf Begrüßungen aus allen Schichten und Kreisen jeder Redewendung enthält, die irgendwie zu weitern Aufreizungen Anlaß geben könnte, nachdem seine ersten, durch ein Hamburger Blatt veröffentlichten Äußerungen zu rücksichtslosen und erbitterten Angriffen und Übertreibungen unter den Parteien benutzt worden sind. Übrigens geht aus seinen in der letzten Woche erst bekannt gewordnen Beantwortungen der Telegramme der nationalliberalen Partei und ihres Führers abermals mit aller Deutlichkeit hervor, daß er mit keiner Silbe eine Anerkennung für die oppositionelle