Lines Toren Waldfahrt
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Kameraden, gegenüber sah. Ich war über meine Jahre groß und kräftig und schlug und biß mich durch, aber ich vereinsamte immer mehr. Denn auch meine rheinische Mundart weckte die Spottlust meiner Kameraden, während ich ihre ostfränkische Art, die Endsilben der Zeitwörter zu verschlucken, lächerlich fand. Ein paarmal wurde ich in ein Patrizierhaus eingeladen, dessen einziges Kind mit mir in die Schule ging. Da scheint meine Kinderstube nicht die Probe bestanden zu haben, denn die Einladungen unterblieben bald wieder.
(Lines Toren Waldfahrt
von Jngeborg Andresen (Schluß)
!vmme Tetens öffnete zögernd die Wohnstubentür, der Bauer hatte ihn rufen lassen. Als er hinein kam, sah er Frauke am Fenster stehn; soeben war sie aus dem Dorfe zurückgekommen, wo die letzte Besprechung der Teilnehmer für die Fahrt, die morgen unternommen ^M>^» werden sollte, stattgefunden hatte. Auf dem Gesicht des jungen lag das verhaltene Leuchten eines heimlichen Jubels. Der Knecht an der Tür sah es wohl und deutete es: morgen, morgen, Franke Hartwich!
Momme, sagte der Bauer aus seiner Sofaecke heraus, du kriegst morgen doch noch einen freien Tag. Jan Jöns will unsern Wagen fahren — mir ist es nicht ganz recht, weil er unsre Füchse nicht kennt — aber Frauke sagt, der Platz sei knapp, und sein Bruder und seine Schwestern haben es auf ihrem eignen Wagen schon eng genug. Also lauf rüber nach Moorhof und sag, er möchte morgen zur rechten Zeit hier auf der Werft sein!
Der Junge an der Tür antwortete nicht; seine große Faust krampfte sich um den Drücker, sein Gesicht sah aschfarben aus, und seine Augen starrten wie erloschen den Sprecher an.
Nn, hast nicht verstanden. Juug? 'n bißchen fix, du mußt nachher noch die Füchse striegeln! Also . . .
Da würgte er ein „Jawohl" heraus und machte die.Tür hinter sich zu. Draußen auf der dämmrigen Diele griff er mit beiden Händen nach seinem Kopf; er taumelte hin und her und ging halb besinnungslos nach seiner Kammer.
Auf der Lade sah er seine Mütze liegen; mechanisch stülpte er sie auf — dabei fiel ihm der Haufen Bücher in die Augen, in denen er noch heute in der Mittagstunde geblättert hatte. Da packten ihn Zorn und Wut über die Enttäuschung, die er hinunterschlucken sollte, er faßte den ganzen Stapel mit einer Hand und schleuderte ihn mit einem Fluch in die Ecke, nie wieder würde er eine Silbe davon lesen. Nie wieder!
Draußen in der frischen Luft konnte er wieder klarer denken, aber mit unverminderter Gewalt drückte ihn das Gefühl seines Jammers zu Boden: ein Glück, ein schimmerndes Glück, das er schon fast in Händen gehalten hatte, war ihm im letzten Augenblick entflohen; ein strahlender Traum, der schon seine Augen dem Licht öffnen wollte, war wieder weit, weit ins Dunkel zurückgeglitten. Genommen hatte man es ihm, genommen, geraubt! Frauke hatte es getan. Und sie wußte