Meine Jugend und die Religion
im Jahre 800 Millimeter. Der Sommer ist fast regenlos. Im Herbst setzt der Regen unter dem Branden des Meeres und unter Donner und Blitz ein, indem er in gewaltigen Strömen herniederflutet. Bei Südwestwind sind in Nizza schon 300 Millimeter Wasser innerhalb 24 Stunden niedergefallen. Es kommen durchschnittlich auf den Winter 16, auf das Frühjahr 11, auf den Sommer 10 und auf den Herbst 22 Regentage. Im Herbst regnet es demnach am meisten.
Nebel kommt an der Riviera kaum vor. Die Luft ist von einer seltnen Klarheit und der Himmel vom tiefsten Blau. Durch die Regengüsse wird die Vegetation von neuem belebt.
Im Winter ist nicht selten drei bis sechs Wochen ununterbrochen heiteres Wetter, wobei die Luft meist durchsichtiger ist als im Sommer. Wenn im Winter trübes Wetter ist, so entspricht dies einer abnormen Witterung im übrigen Europa. Immer ist aber bei Negenwetter die Temperatur äußerst milde. Schöne Tage wurden in Nizza 221, Regentage 67 und trübe Tage 71 gezählt.
Meine Jugend und die Religion
von Ludwig Germersheim ^. Rotwangig ain Rhein
in meine Kindheit führt kein heitrer Weg zurück, und an einigen jahrelangen Wegstellen schließe ich unwillkürlich die Augen, als wenn ich mich dadurch vor dem schmerzenden Anblick dieser Stationen bewahren könnte. Aber sie selbst war heiter: ein hoher, Heller Himmel über einer weiten Au, die ein breiter Strom durchwollte, Wiesen- 1 grün, Baumgrün, und als Obdach ein großes Haus, in einem Graben geborgen mit kühlen Gewölben und tiefen Fensternischen, auf deren Simsen ich spielte und Bilder las, bevor ich Buchstaben lesen konnte. Wenn ich in diese liebe, helle Zeit zurückgewandert bin, dann gehe ich immer zwei Wege, immer im Sonnenschein: durch blühende oder welke, verbrannte, staubige Anlagen über ein Stück gefangner Landstraße in einem langen, dämmrigen, hallenden Torgang, in dessen Luft sich Landstraßen- und Wachstubengerüche mischen, an der Infanterie- oder Fußartilleriewache vorbei ins Helle und über eine Zugbrücke ins Grüne. In junges« Grün oder in altes, mit Schlehenflocken an den Hecken oder mit Akazientrauben an den Bäumen oder mit Nymphäensternen auf dem Teich. Darüber Blau, laues Blau, heißes Blau, von weißen Wolken durchwandert. Dann Pappelreihen, Teergeruch, kühler Wasserhauch und die frischgrünen Ufer weit auseinanderdrängend bleichgrün der Rhein.
Das ist der eine Weg. Den andern führt mich nicht der schüchterne Knabe meiner Kindheit, den zeigt mir nur sein Blick vom breiten Sims des Militärspitalfensters aus. Auch er führt ins Grüne, auf die Baumkronen eines einsamen Gartens mit wildem Rasen, ärmlichen Beeten und Wegen, auf denen Massen schwarzroter Käfer wimmeln und hie und da matte Genesende im langen linnenen Spital-