Beitrag 
Die politische Lage
Seite
7
Einzelbild herunterladen
 

Zur Schicksalsstunde des ehemaligen Königreichs Hannover

7

zu stören, und diegewaltige" englische Koalition verschwand hinter einem Häufchen Zeitungspapier. Unsre Diplomatie hat sich als gut unterrichtet er­wiesen, ihrer würdevollen Haltung dankt Deutschland und mit ihm ganz Europa den Frieden. Aber das deutsche Volk dankt ihr auch das erhebende Bewußt­sein, nach außen hin stark genug zu sein, um im Innern einen tiefgehenden Reinigungsprozeß durchmachen zu können.

Berlin, den 27. I»ni 1.909 s. Ll.

Zur Hchicksalsstunde des ehemaligen Königreichs

Hannover

von G. v. Bismarck 1

ls König Georg von Hannover im Jahre 1866 den Entschluß faßte, die preußischen Vorschlüge schroff zurückweisen zu lassen, hoffte er auf Österreich und auf Frankreich. Auch nachdem er sein Land verloren hatte, setzte er seine Hoffnung auf das Ausland. So schreibt er in dem letzten seiner sieben Briefe, dein Vom 13. Juni 1869, an seinen in Paris lebenden Agenten Meding:")Da ich nur das eine Ziel mit der strengsten Konsequenz und nie ermattender Energie verfolge, unter Gottes gnädigem Beistand und Segen ein großes und mächtiges Welfenreich wiederherzustellen und meinen Thron wieder aufzu­richten, sowie von den teuern Meinigen umgeben als König in alter Selb­ständigkeit und Unabhängigkeit zu meinem teuern und so beispiellos treuen Volke heimzukehren, überdies auch mit des Allmächtigen Hilfe meinen Thron und mein Reich mit eignen Waffen als Verbündeter Frankreichs und Öster­reichs mir wieder zu erobern." Die Ereignisse der Jahre 1870/71 haben diesen Zielen alle Voraussetzungen abgeschnitten. Der blinde Monarch jedoch war und blieb das Opfer welsischer Starrköpfigkeit, romantischer Auffassungen u»d gänzlich uuzulänglicher Ratgeber.

Nun befand sich König Georg in der Lage, an seinem Hoflager einen Gesandten Preußens beglaubigt zu sehen, dem unbedingt Vertrauen zu schenken er Wohl alle Ursache gehabt hätte; auch dann noch, als die durch eigne und seiner Berater Schuld schon aufs Äußerste gespannten Beziehungen mit dem mächtigen Nachbarstaate den Bruch fast unvermeidlich erscheinen ließen. Dieser Preußische Gesandte, der Prinz Gustav Asenburg-Büdingen, hatte es sich stets

^) Veröffentlicht in der Norddeutschen Allgemeinen Zeilung vom 3. und 4. November 1874, abgedruckt bei Zlegidi, Band III, Nr. 1022S.