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Heimfahrt
sich gegen mich betrug und erklärte, den wahrhaft sehnlichen Wunsch zu weiterer Unterhaltung bei mir zurückgelassen hat; denn es kommt selten vor bei häusigen Besuchen, selbst verdienstvoller Fremden, das; man bald zu bedeutender gründlicher Erklärung gelangt. Ich schätze Sie glücklich, einen solchen Nachbar zu besitzen; sagen Sie ihm das Verbindlichste von meiner Seite." Ich vermute: wegen dieser für den trefflichen General so wertvollen Zeilen habe Rauch das Original von Goethes Brief seinem Freunde geschenkt; so würde sich am einfachsten erklären, daß der Herausgeber es nicht in Rauchs Nachlaß vorfand.
Goethe geht nun in seinem Schreiben auf das von Rauch an zweifelhaften Stellen mit Kreuzchen versehene Modell, das der Weimarer Bildhauer Kaufmann nach der Natur verbessern sollte, in folgenden allerliebsten Worten näher ein: „Das Kreuzchen hatten Sie an der rechten Stelle angebracht. Hier war es wirklich, wo das sonst sich gut ausnehmende Bildchen an einiger Unform litt, und in der That war hieran, wie ich den guten Kaufmann leicht überzeugen konnte, eine versteckte Unnatur schuld: denn hier kommen, als Bedürfniß unsrer Kleidung, Riemen, Schnallen, Knöpfe, Bund und Latz dergestalt auf einem Punct zusammen, daß der ohnehin Beleibte ganz mißgeleibt erscheinen muß; weshalb denn der Künstler mit bestem Gewissen seine Emendation, hoffentlich auch zu Ihrer Zufriedenheit, vollführen konnte. — Im Ganzen aber halten Sie sich ja überzeugt, daß ich für all Ihr Vornehmen mich höchlich interessire. Wenn ich mich einer größern Mobilität erfreute, so würde ich sie, von Zeit zu Zeit, vor allem Andern, anwenden, Sie in Ihrer Werkstatt besuchen und an Ihrer lebendigen Thätigkeit durch mannigfaltige Reflexion, um mich selbst zu fördern, sehr gerne theilnehmen. Wenn der plastische Künstler sich zu jedem Werk auf alle Weise vorbereitet und durch die mannigfaltigsten Modelle sich erst sicher zu stellen sucht, so hat dies meinen vollkommensten Beifall, und es würde mir höchst angenehm sein, auch das Technische davon kennen zu lernen."
Heimfahrt
Novelle von Luise Algenstaedt
(Fortsetzung)
l lle saßen dann eine Zeit laug stumm brütend und freuten sich der ungewohnten Stille, denn Schimmehle war dank der Spende des Offizials völlig gesättigt worden und schlief. Reas Blick suchte zuweilen über den Platz mit dem flimmernden Sonnenglanz hinweg ihren Mann, und die alte Süßele drehte den Kopf, um dies und jenes von den ! Vorgängen auf dem Markt aufzufangen. Ihr Ohr, ihr Tast- und Geruchssinn hatten sich gewöhnt, die Pflicht der erloschnen Augen mit zu erfüllen, und ihre Seele sah dazu ergänzend die Bilder, mit denen sie sich in lichten Tagen bereichert hatte. Kaum verrieten ihre Bewegungen die Blinde. Ihre Gestalt war in die Breite gegangen, allein nicht vom Wohlsein, sondern weil es ihre Volks-