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Neue Goethe-Briefe
Kämpfenden stehenden kosmopolitischen Gesinnung ansprach, schüttelte er in zwei würdigen offnen Sendschreiben von sich ab, die allgemein als politische Taten begrüßt wurden. (Anlaß zu Renans Schreiben war der „Voltaire", den Strauß für die Prinzessin Alice, Gemahlin des Erbprinzen Ludwig von Hessen, verfaßt hatte.) Einen besondern Abschnitt widmet Ziegler dem Stile Straußens. Es gebe, schreibt er, zurzeit in Deutschland drei Stilarten, den pathetischen, den Treitschke repräsentiere, den glänzenden, flackernden, „dionysischen" Nietzsches, und den einfachen, schlichten, ungekünstelten, hellen und klaren Stil, den Strauß geschrieben habe. Carl Ientsch
Neue Goethe-Briefe
Nebst einem ungedruckten Briefe von Rochlitz an Goethe Von Hans Gerhard Graf
HADM
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Weimar, am 4. Jcmuar 1909 eine Mutter pflegte zu sagen, wenn ihr gar zu viel Freunde über den Hals kamen: Sie lassen mich die Nase nicht putzen. Ich freue mich, daß ich Dich in einer ähnlichen Verlegenheit sehe." So schrieb Goethe 1829 einmal nn Zelter. Ein Spaßvogel von Literaturfreund könnte hente versucht sein, diesen drastischen Vergleich der Frau Rat in humoristischer Verzweiflung anzuwenden auf den immer wachsenden Andrang neuer Literatur über Goethe. Diese Literatur schwillt in so beängstigendem Maße an, daß mancher in der Tat gar nicht oder nur mühsam dazu gelangen kann, das Natürliche, das Notwendigste zu tun, nämlich: sich in die Werke des Meisters zu vertiefen, den geliebten Urtext aufzuschlagen, alles darüber, darum und dazu Geschriebne entschlossen beiseite lassend.
Mag der Ruf „Mehr Goethe!", wenn man seinen wahren Sinn versteht, auch heute noch, und gerade heute mehr als je berechtigt sein; im Hinblick auf die beinahe täglich massenhaft erscheinenden Broschüren, Schriften und dicken Bücher über Goethe wäre der Gegenruf nur allzu berechtigt: eiauclito rivos, xueri: 3g,t xratg, vivsruvr, oder, wie Goethe diesen Hexameter Virgils übersetzt: „Schließet den Wä'ßrungskanal, genugsam tranken die Wiesen."
Zwei Arten freilich von Schriften zur Goethe-Literatur wird man stets und unbedingt willkommen heißen: erstens solche, die sehr schwer Zugängliches und ganz Entlegnes der bequemen Benutzung zuführen, sodann und vor allem solche, die wirklich Neues, bisher Unbekanntes bringen, das von Goethe selbst geschrieben worden ist. Und wenn diese Quelle auch längst nicht mehr so