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Die deutsche Shakespaereübersetzung . 2
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Liscnkonstruktion und Lisenstil

Also für die eigentlich brennendste Frage in den Augen des großen Pu­blikums, für die Darstellung Shakespeares auf der Bühne, braucht man nichts zu überstürzen.

Es wäre viel richtiger, mit den weitern unzulänglichen Revisionen auf­zuhören und das Publikum, dem man in der Eile doch nichts Dauerbares, das heißt dauernd Befriedigendes bieten kann, nicht irrezuführen. Mit der Wissenschaft spielt und tändelt man nicht oder sollte wenigstens nicht spielen. Dazu ist die Sache doch zu ernst, und wir Deutschen, die wir jetzt endlich auch ein wirtschaftlich mächtiges Volk geworden sind, sollten nichtsdestoweniger nicht verschmähen, nach wie vor unsern Stolz auch darein zu setzen, daß wir seit einem Jahrhundert als das gründlichste Gelehrtenvolk schlechthin gelten, und daß unsrer wissenschaftlichen Gründlichkeit und Disziplin auch unsre politischen und wirtschaftlichen Erfolge zu danken sind. Auch Rom ist nicht in einem Tage erbaut worden, und Hast ist stets ungesund und führt nicht zum Ziele.

Was aber die berechtigten Wünsche der großen deutschen Shakespeare­gemeinde der Gegenwart anlangt, so steht der Ernst, mit dem unsre deutschen Bühnenleiter und Bühnenkünstler die Schöpfungen des englischen Dramatikers Shakespeare auf unseru Bühnen immer verständnisvoller, immer vollendeter zu überzeugendem dramatischem Leben zu bringen wissen, trotz allen noch unvermeid­lichen Mängeln der Übersetzungen, turmhoch über den beschämenden Entstellungen und Kostüm- und Dekorationskünsten, zu denen Englands größter Dichter in seiner eignen Heimat heute mißbraucht wird. Wir haben also alle Ursache, uns nach wie vor herzlich unsers deutschen Shakespeare zu freuen!

Eisenkonstruktion und Eisenstil

Von Karl Gehring

ie ganze Konstruktionsart des Steinbaues, der sogenannte Massiv­bau, beruht auf dem Gesetz der Druckfestigkeit; auch bei den horizontalen Fensterstürzen, über die man einen Entlastungsbogen spannt, der den Druck der lastenden Mauer ganz aufnehmen muß! auch bei den Steinstützen, Säulen nnd Pfeilern herrscht dieses Gesetz. Aber seit der Verwendung des Eisens und Eisenbetons als Material wird der Baustoff weit mehr ausgenutzt. Erst seit dem Ge­brauche dieser modernen Baustoffe ist man überhaupt in den Stand gesetzt, jedem Teil des Bauwerks gerade so viel Last zukommen zu lassen, wie er vertragen kann, während man ehedem einfach nach Erfahrungssätzen das Material verschwendete, denn anders kann man das frühere Verfahren mcht nennen. Es ist ja auch klar, daß ein Bauwerk mit vielen Kalkmörtelfugen nur wenig Beanspruchung vertragen kann, denn bei ganz geringem Zuge fängt die Fuge schon zu klaffen an. Das Holz andrerseits ist so vielen Zufälligkeiten