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Literarhistorische Rundschau. 1
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vom thrakischen Meere

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Kronprinzen in seinem Reich empfinden." Da diese Spezien mit der wirklichen Entwicklung unsrer Dichtung auch nicht das mindeste zu tun haben, sehe ich nicht ein, warum sich Lublinski lang und breit mit ihnen und dem, was sie bewundern, auseinandersetzt. Außerdem macht das starke Vorwiegen soziologischer Betrachtungen sein Werk ästhetisch häufig unzuverlässig. Er sieht in dem Empor­stieg, den Spittelers Kunst in den letzten Jahren bei den ernsten Geistern erlebt hat, nicht die Erfüllung unsrer Wünsche nach einer großen Form, die uns das neue Drama nicht geschenkt hat, und fertigt diese Erfüllung mit einem Vielleicht" ab. Auch in Dehmel sieht er nur einen Abschluß oder einen Außeu- seiter und behauptet gar, daß eine Diskussion über eine zukünftige Lyrik vor­läufig eine Diskussion über die Lyrik von Stephan George bedeute. Freilich bleibt er uns die Antwort auf die Frage schuldig, wie es eigentlich über Stephan George noch eine Entwicklung geben soll, und ich wüßte nicht, wie man die beantworten könnte, da George durchaus in einer Sackgasse steht. Es ist selbstverständlich, daß bei alledem in dem Buch von Lublinski sehr viel Geist steckt und man aus mancher Ausführung etwas lernen kann, aber daß es uns weiterbringt, vermag ich nicht zuzugeben.

Vom thrakischen Meere

von Larl Fredrich in Posen 5. Thasos 1

m 12. Juni 1904 stand ich zum erstenmal auf dem Burgberg der alten Stadt Thasos heuteHafen" (Limenas) genannt, der einst die griechische Akropolis, dann das byzantinische Kastell trug; zwischen Fels und Fichten ragen seine Ruinen auf. Von Prokesch- Osten hat 1828 seiner Bewunderung für den Platz lebhaften Ausdruck gegeben:Was der Burg ein höchst malerisches Aussehen gibt, sind die Vermischung der Jahrhunderte im Bau, der waldige Vor- und Hintergrund, die Fülle und Farbentöne der Bäume und Gesträuche, welche über und über die Ruinen bedecken. Feigenbäume, Lentisken, Johannesbrotbäume, Stecheichen, junge Fichten, Andrachnen, Agnus Castus usw. stehn in Türmen und Tor, brechen aus Schutt und Mauern und werden von Efeu und wildem Wein dicht und hoch überwunden. Durch dieses reiche, mannigfache und saftige Grün schaut der gelblich Weiße, sanfte Ton der Marmors und glänzt der Schiefer, mit Glimmer besät." Westlich unter der Bnrg dehnt sich das Gebiet der alten Stadt, nach Süden hebt sich die Insel, im Norden uud Osten schmiegt sich das dunkle Meer. Aus ihm Neigt gen Osten majestätisch der Berg von Samothrake auf. Am 5. Juni hatte ich ihn verlassen, war aber nicht direkt nach Thasos, sondern, um eine Privatsammlung Zu studieren, erst wieder nach Lemnos gesegelt. Es war die längste aller meiner Segelfahrten im thrakischen Meere geworden. Um neun Uhr früh waren wir abge­fahren, es wurde Abend, und die flache Lemnos zeigte sich noch nicht; die Sterne Grenzboten II 1909 Ly