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Die Dame mit dem Grden
Nur wenn sich unsre Direktoren auf ihre unsterbliche Seele besinnen und uns Goethesche, Schillerst!)e, Shakespearesche Dramen „neueinstudiert" zum besten geben, müssen wir den Herren Theatermalern ein wenig auf die Finger sehn, damit sie uns nicht ein x für ein u machen und uns den schlaflosen König, in dessen Reiche die Sonne nicht untergeht, in einem Zimmer zeigen, wie es keiner seiner gewaltigen Paläste aufweisen konnte, weil auch in dem unvergleichlichen Spanien die Architektur des siebzehnten Jahrhunderts am Ende des sechzehnten noch unbekannt war. Spitzbogen mit Steinbänken um die Pfeiler ist hier das sicherste: die gab es lange, lange, ehe an Philipp den Zweiten zu denken war.
Vie Dame mit dem Grden
Aus dem Englischen von G. Bergmann
(Schlub) Hiroshima. Dezember 1904
> ie amerikanische Post ist herein, und das Geheimnis heraus, wenigstens halb heraus, und ich bin rapplig vor Neugierde und Teilnahme. Du schreibst, du kannst mir nichts Genaues sagen, und du möchtest lieber nicht, daß ich rate.
Alles, was ich wissen soll, ist, daß das Leben neuen Reiz für dich !habe durch das tiesste und schönste Erlebnis, das es gibt. Ich will deine Bitte erfüllen, weder Fragen noch Vermutungen ausstellen; aber ich darf das eine sagen: daß weder Ruhm noch Schönheit noch Reichtum mir je den tausendsten Teil der Herzensbefriedigung gewahren, die eine Stunde der Liebe geben kann. Ohne sie ist jegliche Arbeit gegen den Strom, und Vollkommenheit leerer als Eitelkeit. Noch immer verlangt das Herz nach dem, was ihm gehört, was sein Geburtsrecht, sein Erbe ist.
Ich freue mich von ganzem Herzen über dein Glück, du Liebe; die zärtlichsten Segensworte, die meine Lippen sagen könnten, würden nicht die Hälfte von dem aussprechen, was mein Herz für dich fühlt. Nichts ist gewisser, als daß Liebe das Schönste von allem auf Erden ist und bleibt. Du meinst, du empfindest es nach wenigen Wochen des Liebens — ich empfinde, ich weiß es nach Jahren voll Kummer und Herzeleid.
Von der Zeit an, wo du mich vor kindischen Strafen zu schützen pflegtest, durch die glücklichen Tage der Mädchenzeit und die kummervollen Jahre der Ehe hindurch bis hin zur bittersüßen Gegenwart hast du mich nie im Stich gelassen.
Ich möchte dir mein ganzes Herz voll Freude nnd Jauchzen geben, ich möchte die kleinliche Klage über meinen Verlust hinausdrängen — aber ach, Kameradini nie in meinem Leben fühlte ich mich so verlassen wie heute. Ich frage dich nicht, wer er ist. Ich zwinge mich, nicht zu raten. Schreibe mir, was du willst, und wann du willst, und sei versichert, daß — was auch kommen mag — mein Herz schlägt für dich und — für ihn!
Hiroshima, Januar 1905
Ich habe länger als gewöhnlich nicht geschrieben, aber irgendwie ist es mit mir in letzter Zeit schief gegangen, und ich wollte dich nicht damit belästigen. Aber o weh, Kameradin! Ich habe ja niemand anders in der Welt, zu dem ich damit