Szenische Ausstattung
von Georg Stellanus 2. Dekorationen
(Schluß)
irklich keit! Was ist denn auf der Bühne wirklich? Nichts ist auf ihr wirklich, und wie könnte auch in diesem Reiche des schönen Scheins etwas wirklich sein! Alles ist Täuschung: Mond- und Sonnenschein, Sturm und Donner, die starrenden Klippen, das schaukelnde Schiff, die von ein paar Dutzend Malefizjungen unter einem gemalten Tuche belebten Wogen: echt ist weder der Grund und Boden, auf dem sich die Handlung abspielt, noch der Himmel, der sich über ihm wölbt. Es ist alles Schein, Fiktion und Konvention: die Kunst muß diesen trügerischen Zauber adeln, damit er Daseinsberechtigung habe. Nichts ^ gefährlicher als ein Versuch, eine Wirklichkeit auf die Bühne zu bringen, ^ren wir durch eine jahrhundertlange Konvention zu entraten gewohnt sind. Der Nütlischwur geht auf ebnem Bretterboden vor sich, und das Innere der armseligsten Fischerhütte ist ebenso hoch wie der Saal des reichsten Palastes, ^ir sind gewohnt, diese UnWahrscheinlichkeiten für bare Münze zu nehmen: ste stören uns nicht, weil sie uns als etwas erscheinen, das nicht zu ändern ist, und das man deshalb nicht sehen und nicht bemerken darf. Wenn uns aber eine wohlmeinende, gewissenhafte Regie mit vieler Mühe in dem einen »alle einen zwischen Felsenriffen gebetteten, nach hinten zu sanft aufsteigenden ^nesengrund, in dem andern das Innere einer sich nur bis zur halben Höhe des Proszeniums erhebenden Hütte vorführt, so stört das unsre Gewohnheit, und das erste, was wir tun, ist, an den in bester Absicht getroffnen Veranstaltungen zu mäkeln. Die Felsen können uns nicht imponieren, denn sie sind aus Pappe; wo ist das frische Gras, das aus dem Wiesengrund wachsen müßte?
Schlegel-Tieck, Othello aber selbständig von Gundolf übersetzt. Leider bestätigt diese Übersetzung
a» im Obigen Gesagte nur zu sehr, wie ein flüchtiger Blick auf die zahlreichen Mißverständnisse nnd Irrtümer erkennen läßt. Nur eine der meistumstrittenen Stellen aus der Schlußszene des Othello, V, II, 347, sei hier erwähnt: Lilcs tks dass Illäian, tkrsv a psarl g,vs,x, wofür
ie erste Folio bekanntlich die längst beiseite geschobne Lesart: I>il!s tds ds,8s ^luäsan . . . hat. ^hne eine Ahnung von den zahlreichen zeitgenössischen Parallelen, die den dass Inäis« er-
wren, zu haben, zieht Gundolf den d-»ss ?uäs-m vor und überfetzt: „dem schnöden Juden gleich", und auf diese Übersetzung ist er offenbar sehr stolz, denn er widmet ihr sogar eine der wenigen Anmerkungen und fügt mit der ganzen Sicherheit des Dilettanten hinzu: „Fest steht, daß tig^s
w Beiwort moralischer Verwerfung ist, das der Dichter nicht auf den unschuldigen »Indianer« anwenden würde." Das steht doch nur für den „fest", der im Shakespeareschen Englisch schlecht .Ändert istz wenn ein solcher aber Shakespeare übersetzen will, so wäre es doch besser, er Müge in den wissenschaftlichen Wörterbüchern nach und sähe sich überhaupt in der einschlägigen ^ueratur ein wenig um! Wichtiger als schöne Ausstattung und Buchschmuck ist doch Gediegen- ym des Inhalts.